Die heimliche Enteignung oder wie werden wir ärmer!


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

Nun steht Griechenland endgültig vor der Pleite und Italien am Pranger. Das Kreditrating wurde von der Ratingagentur S & P herabgesetzt.

Eigentlich hatte ich erwartet, dass die europäischen Aktienmärkte noch einmal mit Panik reagieren würden. Aber es ist nichts passiert. Wahrscheinlich waren die Kurse schon im Vorfeld soweit heruntergeprügelt worden, dass es keinen mehr interessiert.

Aber welche Alternativen gibt es überhaupt noch. Sind Festgeld und Anleihen eine oder ist es der sanfte Weg um Sparer zu enteignen.

In den letzten zwölf Monaten verzeichneten zehnjährige Staatsanleihen extreme Bewegungen. Vor einem Jahr hatten wir Deflationsängste und in Deutschland lagen die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen bei 2,1 %. Im April dieses Jahres überwogen dann die Inflationsängste, worauf die Renditen auf 3,5 % gestiegen sind. Zum Zeitpunkt des Schreibens bestimmen wiederum Rezessionsängste das Bild und die Renditen fielen auf ein noch niedrigeres Niveau. US-Staatspapiere stiegen trotz eines niedrigeren Ratings auf seit mehr als 50 Jahren nicht mehr gesehene Höchstkurse. Ein klares Indiz dafür, dass Anleger in großer Zahl in diese Anleihen flüchten. Die zu niedrigen Zinsen (Real nach Inflation negativ) sind das Ergebnis der Notenbankmanipulationen, die damit die Konjunktur fördern wollen. Sie nehmen damit erhebliche Inflationsgefahren auf Sicht mehrere Jahre in Kauf.

Neben der Frage nach Inflation und Deflation bestimmt auch die Schuldenkrise den Verlauf der Kurse der Staatsanleihen. Inzwischen hat die Gesamtverschuldung vor allem in den westlichen Staaten ein Niveau erreicht, welches das Wirtschaftswachstum hemmt. In den Industrienationen sind die staatlichen und privaten Schulden zwischen 1980 und 2010 von 167 auf 314 % des BIP gestiegen. Hiervon fallen 38 % auf Schulden der privaten Haushalte, 33 % auf Schulden der Staaten und 29 % auf Schulden der Unternehmen. Die Größenordnung zeigt, das die westlichen Länder schnell und entschieden ihre finanzpolitischen Probleme anpacken müssen.

Während in den letzten 30 Jahren die Wertentwicklung eines jeden Depots durch einen Anteil von festverzinslichen Wertpapieren, wegen der laufend sinkenden Zinsen, stabilisiert wurde, ist damit in der Zukunft nicht mehr zu rechnen. Die geringen Zinserträge bedeuten für den Anleger auch, dass die so genannten soliden Anlagen nur eine trügerische Sicherheit bieten. Wählen sie kurze Laufzeiten und höchste Qualität schrumpft das Vermögen zusehends, denn die Zinsen werden durch die Inflation von derzeit 2,5 % und durch Ertragssteuern aufgezehrt. Selbst bei langen Laufzeiten und damit erhöhtem Risiko lassen sich nach Steuer und Inflation kaum noch ausreichende Erträge erzielen. Damit drohen auch Probleme bei anderen Anlageformen. Denn die Versicherungen sind gezwungen, einen wesentlichen Teil ihres Vermögens in Zinstitel anzulegen. Hier dürften sich in Zukunft auch die erwarteten Ablaufleistungen der Verträge verringern.

Im Moment erhalten die USA und die westeuropäischen Länder immer schlechtere Bonitätsratings und zahlreiche Schwellenländer verbessern ihre Kreditwürdigkeit. Diese Entwicklung wird auch in den kommenden Jahren anhalten. Ratingverbesserungen haben neben niedrigeren Zinsen in der Vergangenheit oft auch für positive Reaktionen beim Währungskurs gesorgt. Allerdings darf die Entwicklung nicht darüber hinwegtäuschen, dass Investitionen in Schwellenländern immer noch vor allem hohe politische Risiken tragen. Darüber hinaus ist bei vielen Ländern im Moment die Währung überbewertet.

Es ist paradox und nicht logisch, dass die ganze Welt im Moment Staatsanleihen der USA, der Schweiz und von Deutschland kauft. Scheinbar hat die ganze Welt vergessen, dass die ausufernde Staatsverschuldung als Folge der Misswirtschaft vergangener Jahrzehnte, die Verflechtung dieser Schuldenberge mit dem Bankensektor und die ausufernde Geldmenge uns in diese Lage gebracht haben. Das meiste Geld können die Anleger dort verlieren, wo sie sich in Sicherheit wähnen, nämlich in Staatsanleihen. Im Laufe der Geschichte sind Zahlungsausfälle von Staaten regelmäßig vorgekommen, und d. h., man sieht von seinem investierten Geld nichts oder nur ein Bruchteil wieder. In diesem Umfeld gewinnen Aktien und Unternehmensanleihen deutlich an Attraktivität. Allerdings müssen die Emittenten solcher Wertpapiere in der Lage sein, eine Rezession zu überstehen. Insofern sollte man Anleihen von Banken nur sehr selektiv in sein Portfolio nehmen. In Zukunft werden vielleicht Aktien und Unternehmensanleihen die Merkmale eines sicheren Hafens aufweisen. Darüber hinaus sind die Bilanzen der Unternehmen einfacher zu verstehen als die von Banken und Staaten. Auch sollte es bei Unternehmen keine Schattenhaushalte wie bei Staaten geben.

Mehr Informationen?

Haben Sie Interesse? –

Sie können bei Herrn Robert Burlon unter der Telefon-Nr.: 922 57 54 96 Näheres erfahren.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.