Die Familie Franco öffnete den „Pazo de Meirás“ dem Publikum


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Dem Abkommen sind jahrelange Prozesse vorausgegangen

Die Familie des „Generalísimo“ Franco hat Ende März die Festung Pazo de Meirás für das Publikum geöffnet.

A Coruña – Das hat die Regionalregierung von Galicien jetzt mitgeteilt. Die von der konservativen Partido Popular geführte Regierung war mit der Familie des Ex-Diktators übereingekommen, dass das Anwesen in Sada in der Nähe von À Coruña mindestens an vier Tagen pro Monat von geführten Gruppen besucht werden kann. Der „Pazo“ war während des spanischen Bürgerkrieges nach einer öffentlichen Spendenaktion gekauft und dem damaligen Staatschef zum Geschenk gemacht worden. Daher hat die Familie Franco ihn als ihr Eigentum betrachtet (das Wochenblatt berichtete).

Das Abkommen zwischen der Familie und der Regierung Galiciens war ermöglicht worden, nachdem die vorangegangene Regionalregierung, die sich aus Sozialisten und Nationalisten der BNG zusammensetzte, das Anwesen zum Gut von kulturellem Interesse erklärt hatte. Das verpflichtete die Eigentümer per Gesetz dazu, der Öffentlichkeit Zugang zu gewähren.

Nachdem im vergangenen Monat das Dekret vom Regionalparlament verabschiedet worden war, welches den Besuch regelt, erklärte Präsident Alberto Núñez Feijóo, sein Kulturressort habe mit der Familie Franco das entsprechende Abkommen ohne jegliche finanzielle Gegenleistung vereinbart. Die Erben hätten lediglich ihre Besorgnis über die Sicherheit des Gebäudes geäußert, welche jedoch von seiner Regierung garantiert werde.

Die geführten Besichtigungstouren über den Landsitz, auf dem der Diktator häufig die Sommermonate verbrachte und Sitzungen mit seinen Ministern abhielt, dauern etwa eine Stunde und finden viermal im Monat statt. „Jetzt kann der Pazo de Meirás ebenso besichtigt werden, wie alle übrigen kulturellen Einrichtungen Galiciens“, erklärte Núñez Feijoó wörtlich.

Die Erben des Generalísimo hatten jahrelang die Öffnung des Anwesens zu verhindern versucht und die Regionalregierung mit einer einstweiligen Verfügung und einer ganzen Batterie von Prozessen überzogen. Doch sowohl der Gerichtshof Galiciens als auch der oberste spanische Gerichtshof hatten die Klagen abgeschmettert. Ein weiterer Prozess, so heißt es, sei immer noch anhängig.

Der erste Besuchstermin hat inzwischen stattgefunden, jedoch hielt sich der Andrang des Publikums in Grenzen, was auch auf das winterliche Wetter zurückzuführen ist. Wahrscheinlich wird sich während der bevorstehenden Osterferien, vor allem aber in den Sommermonaten, die Zahl der Besucher bedeutend erhöhen.




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