Die Evakuierung von afghanischen Flüchtlingen hatte Priorität

Flüchtlinge aus Afghanistan nach ihrer Landung nahe Madrid Foto: efe

Flüchtlinge aus Afghanistan nach ihrer Landung nahe Madrid Foto: efe

Flüge mit Hunderten von Afghanen landeten in Madrid

Madrid – In den letzten Augusttagen landeten Flüchtlinge aus Afghanistan mit den wenigen Habseligkeiten, die sie mitnehmen konnten, auf dem Stützpunkt Torrejón de Ardoz in Madrid. Bei ihrer Ankunft in Torrejón mussten sie sich zunächst einem Corona-Test unterziehen. Sobald sie die Formalitäten hinter sich gebracht hatten, erhielten sie eine außerordentliche Aufenthaltsgenehmigung für fünfzehn Tage. ­Diejenigen, die sich dafür entschieden haben, internationalen Schutz zu beantragen, ­werden in den nächsten Tagen von der nächstgelegenen Polizeistation in der Aufnahmegemeinde vorgeladen, um den ­Antrag zu stellen. Nach dem ordentlichen Verfahren haben die Behörden höchstens sechs Monate, um zu entscheiden, ob sie den Flüchtlingsstatus oder den subsidiären Schutzstatus zuerkennen oder den Antrag ablehnen. Während für das Asylverfahren das Innenministerium zuständig ist, wird das Aufnahmeverfahren vom Ministerium für soziale Sicherheit, Integration und Migration durchgeführt. Dieses Ministerium ist für die Vermittlung der Flüchtlinge an staatliche Zentren zuständig, die sich in verschiedenen autonomen Regionen befinden.

Aus den Zahlen des Asyl- und Flüchtlingsamts geht hervor, dass im vergangenen Jahr, und unter Berücksichtigung der Auswirkungen der Pandemie, nur 34 Afghanen in Spanien um Schutz nachgesucht haben. Dies entsprach 0,04 % der Gesamtzahl der in Spanien gestellten Anträge. Im Jahr 2019 betrug die Zahl 182, und im Jahr 2018 gab es 101 Asylanträge. Aus den Daten geht ebenfalls hervor, dass die Anerkennungsquote für diese Staatsangehörigen im vergangenen Jahr bei 74 % lag. Dieser Prozentsatz ist sehr hoch, da durchschnittlich nur 5 % der Gesamtzahl der gestellten Asylanträge bewilligt werden.

Eingliederung in der Gesellschaft

Der Staat bietet den Flüchtlingen ein umfassendes 18- bis 24-monatiges Programm zur Eingliederung in die Gesellschaft an. In der ersten Phase werden die Menschen in Zentren des Ministeriums oder in von Hilfsorganisationen verwalteten Wohnungen untergebracht. Sobald sie angekommen sind, hilft man ihnen mit den Formalitäten: die Anmeldung bei der Stadt, eine ärztliche Untersuchung, die Beantragung einer Gesundheitskarte oder die Planung der Einschulung der Kinder. Auch werden sie beim Erlernen der Sprache und dem Kennenlernen der neuen Umgebung unterstützt. Die zweite Phase zielt auf die Vorbereitung auf die Selbstständigkeit ab. Die Menschen verlassen die Wohnungen und Zentren, werden jedoch weiterhin begleitet. Jede Familie kümmert sich selbst um die Anmietung ihrer Wohnung, obwohl das Ministerium für ­soziale Sicherheit, Integration und Migration finanzielle Unterstützung leistet. Die Hauptprobleme, mit denen die Flüchtlinge konfrontiert sind, beziehen sich auf die Sprachbarriere und die traumatischen Erfahrungen, die viele von ihnen erlebt haben und die dazu führen, dass sie monatelang psychologische Betreuung benötigen.

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