Die Anti-Stimme der Bischöfe


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Wahl-Orientierungshilfen der spanischen Bischofskonferenz

Sie haben keine Partei und stellen sich nicht zur Wahl, aber die spanischen Bischöfe haben ein Programm, welches Juan Antonio Martínez Camino, der Sprecher der spanischen Bischofskonferenz den Medien erläuterte.

Madrid – Sie gehen von einem Standpunkt aus, welchen die Kirchenmänner als Fundamente bezeichnen, die über politischen Entscheidungen stehen. Der Tenor ihrer These lautet, dass Gesetze nicht moralisch und gerecht sein müssen, nur weil sie von einem legitimen Organismus beschlossen wurden. „Daher sollte man, bevor man wählt, an die Gefahr denken, welche politischen Optionen bedeuten, dass das Recht auf Leben nicht geschützt wird“, heißt es unter anderem in der Verlautbarung. Damit bezieht sich die Bischofskonferenz auf das Abtreibungsgesetz, auf die geplante Gesetzgebung über einen Tod in Würde oder die Embryonenforschung zu medizinischen Zwecken.

Ganz konkret setzt sich die Bischofskonferenz dafür ein, die Ehescheidung und die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern abzuschaffen. Dazu heißt es wörtlich: „Es ist notwendig, das Recht der Spanier zu schützen, vor dem Gesetz als Ehemann und Ehefrau behandelt zu werden, in einer stabilen Ehe, die nicht zur Disposition der beiden Partner steht und noch weniger eines Teils. Ebenso gefährlich für das allgemeine Wohl sind legale Bestimmungen, welche die Ehe in ihrer eigensten und speziellen Art als Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau und ihren Kindern nicht als einzige gültige Lebensgemeinschaft anerkennen.

Diese Bekanntmachung der Bischofskonferenz entstand nach mehrtägigen Verhandlungen der ständigen Kommission, die vom Kardinal von Madrid, Antonio María Rouco, geleitet wird. Diesem Organismus gehören die höchsten Würdenträger der katholischen Kirche in Spanien an, wie sämtliche Erzbischöfe und Kardinäle.

Auch zur derzeitigen Wirtschaftskrise nehmen die Bischöfe in ihrer „Orientierungshilfe“ Stellung. „Es ist jetzt eine Politik erforderlich, welche die Irrtümer und Abweichungen korrigiert, die von der derzeitigen Finanzverwaltung begangen wurden, und die sich der besonders Schwachen wie alten Menschen, Kranken und Immigranten annimmt“, heißt es dort unter anderem.

Im Erziehungswesen, in dem die katholische Kirche in Spanien ein bedeutender Faktor ist, auch was die ökonomische Seite betrifft, wird Religion und katholische Moral auch in den staatlichen Schulen als Pflichtfach verlangt. „Das ist ein Weg, um das Recht der Gesellschaft und der Eltern auf eine Regulierung zu sichern, damit dieses Recht effektiv geschützt wird“, heißt es zu diesem Thema. Der Staat, so verlangen sie, darf  keine ideologischen Vorschriften einführen, welche das Recht der Eltern beschneidet, die moralische, religiöse und philosophische Erziehung ihrer Kinder zu bestimmen.

Trotz der Anerkennung der moralischen Legitimität des Nationalismus, stutzen die Bischöfe ein Prinzip nach ihrem Geschmack zurecht und unterstreichen die Notwendigkeit, dass allgemeine Wohl der spanischen Nation zu schützen. Insbesondere sollte das Risiko der Manipulation der Geschichte durch Separatisten vermieden werden. In diesem Zusammenhang hat die Bischofskonferenz sich nicht zum Problem des Terrorismus geäußert, obwohl die ETA-Terroristen zu diesem Zeitpunkt bereits ihre viel beachtete Erklärung zur endgültigen Aufgabe des bewaffneten Kampfes abgegeben hatten.




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