Die Agonie der Gletscher Spaniens


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In weniger als 70 Jahren wird keiner mehr existieren

Auf den höchsten und unzugänglichsten Gipfeln der Pyrenäen von Aragonien befinden sich Spaniens letzte Gletscher. Ewiges Eis, das sich durch sein eigenes Gewicht langsam bergab schiebt.

Madrid – Es handelt sich um die Überreste von enormen Eisfeldern, die tiefe, kilometerlange Täler ausgewaschen haben und jetzt dazu verurteilt sind, endgültig zu verschwinden. Sie entstanden vor Millionen von Jahren, als diese Berge dank Regen und Wärme zur subtropischen Zone wurden. Davon zeugen noch heute vereinzelte Exemplare von Madroños (Erdbeerbäumen) und eine Pflanze, die im Volksmund Bärenohr genannt wird und als Überlebende einer Landschaft gelten, die mit der kanarischen Laurisilva vergleichbar sind. „Diese Gletscher wurden 1990 zum Naturdenkmal deklariert“, erklärte ein Sprecher des Umweltamtes von Aragonien.

Der Rückgang der Eisfelder ist Teil eines Wechsels der Klima-Perioden der Erde, die ihren Höhepunkt in Epochen der Eiszeit hatten (die letzte endete vor etwa 10.000 Jahren) sowie in milden Perioden, in denen das Eis komplett verschwindet.

„Einen solchen Moment erleben wir jetzt. Ein konstanter Anstieg der Temperaturen bringen diese Eisgiganten zum Schmelzen“, erklärte der Sprecher des Umweltamtes. Für Greenpeace ist der Rückgang der Eismassen ein wichtiger Beweis für den Klimawandel. Der hat auf das gesamte Ökosystem Einfluss, nicht nur auf das der Gletscher.

Das Schmelzen der Gletscher geht mit großer Geschwindigkeit vonstatten. Mit jedem heißen Sommer verschwindet ein Teil der weißen Pracht von den Bergen. Tatsächlich gibt es nur noch neun Gletscher von den 25, die zum Beginn des vergangenen Jahrhunderts existierten, einige sind nur noch sehr klein. Ein Dutzend ist komplett verschwunden, andere sind nur noch kleine Eislöcher in versteckten Zonen, wo sich der Schnee von einem Winter zum anderen nur noch mit Glück hinüberrettet.

Wenige, kleine und nur in hohen Lagen. „Es schneit wesentlich weniger und nur in größeren Höhen,“ erklärt Fernando Pastor, Direktor des Programms ERHIN, das vom Umweltministerium durchgeführt wird. Mit Hilfe dieses Programms werden die Nieder­schläge in Form von Schnee in ganz Spanien als Teil der Wasserreserven registriert. Sie dienen jedoch auch dazu, Überschwemmungen in Zeiten der Schneeschmelze vorzubeugen. „Die meisten Schneefälle auf dem spanischen Festland werden im Viñemal-Massiv, im Monte Perdido und Aneto-Maladeta in den Aragonesischen Pyrenäen verzeichnet. Dort befinden sich auch die größten Gletscher. Ihre Wasserzufuhr zu den Flüssen ist nicht mehr bedeutend, aber ihre Veränderung als Indikator für einen Anstieg der Temperaturen ist sehr interessant,“ erklärte Pastor an anderer Stelle. „Dort kann man ganz deutlich nachvollziehen, dass sich das Klima verändert, denn ihre Entwicklung seit es Datenaufzeichnungen gibt zeigt deutlich, dass sie in kurzer Zeit vollständig verschwinden werden.“

Auch wenn das unvermeidlich erscheint, kann es noch immer Überraschungen geben. Im 16. Jahrhundert begann eine sogenannte Kleine Eiszeit, die bis 1860 währte und während der das letzte Anwachsen der Gletscher in Europa beobachtet werden konnte. Seit dieser Zeit haben sie ständig abgenommen. Es könnte also eine neue Kälteperiode kommen und diesen Eisfeldern eine kleine Atempause gönnen. Doch die könnte nur kurzfristig sein. Nach Aussagen des Greenpeace-Sprechers gehen das schnelle Ansteigen der Temperaturen zusammen mit den Aktivitäten der Menschheit und das Schmelzen der Gletscher Hand in Hand.

Ende des 19. Jahrhunderts, im Jahr 1894 bedeckten die Gletscher Spaniens eine Fläche von 1.779 ha – 3.300 wenn man den französischen Teil hinzunimmt. 2008 existierte nur noch eine Fläche von 200 ha (plus 179 ha auf französischem Gebiet).

Es handelt sich um ein globales Phänomen – weltweit sind alle Gletscher auf dem Rückzug.




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