Die älteste Kellerei der westlichen Welt


Die Grabungs­stätte Castillo de Doña Blanca liegt in der Gemeinde El Puerto de Santa María, in der Provinz Cádiz. Foto: ANTONIO M. ROMERO

Die Anlage geht auf das 3. Jahrhundert v. Chr. zurück

Cádiz – Unter dem Gipfel der Gebirgskette von San Cristóbal, Cádiz, liegt die wohl älteste, aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. stammende Weinkellerei der westlichen Welt.

„Bis heute ist dies der wichtigste Fund in der Geschichte der Weinkelterei“, glaubt der Entdecker und Archäologe Die­go Ruiz Mata, der 1991 gemeinsam mit seinen Mitarbeitern die Reste der Kellerei entdeckte.

Trotz des unschätzbaren Werts der Fundstätte, die sich über 2.000 Quadratmeter erstreckt, wurden die Forschungs- und Ausgrabungsarbeiten nach sieben Monaten eingestellt. Die gesamte Fläche wurde wieder zugeschüttet und ist bis heute unberührt.

Die Mauern der mitten in der Natur gelegenen archäologischen Reste werden von Motorradfahrern zum Cross-fahren benutzt, wie Ruiz Mata beklagt. Auch wundert er sich über die Nachlässigkeit der Regierung, die ein so wichtiges Stück der Geschichte seinem Schicksal überlässt. Nun setzt sich Ruiz Mata für eine erneute Aufnahme der Ausgrabungen ein.

Das phönizische Dorf Doña Blanca, die heutige Gemeinde Puerto de Santa María, datiert aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Die Kellerei stammt ebenfalls aus dieser Zeit, aus der punischen Epoche der Stadt.

2017 entdeckten Wissenschaftler der Universität Cádiz dann den zu Doña Blanca gehörenden Hafen aus dieser Zeit. Die Größe von sieben Hektar verdeutlicht die historische Bedeutung von Doña Blanca.

Bei den Ausgrabungen fanden die Forscher zwei Weinpressen, Auffangbecken für den Most und Öfen zum Erhitzen des süßen Weines sowie unzählige Amphoren zum Aufbewahren des Getränks. Ebenso entdeckten sie ganz in der Nähe der Kellerei drei Tempel. In einem dieser Tempel wurden Gruben voll mit unzähligen zerbrochenen Amphoren und Gläsern, Überresten ritueller Festessen, gefunden.

In einem weiteren Tempel entdeckten die Forscher Weihestätten und Brunnen, in denen den Göttern Trankopfer dargebracht wurden.

Der Most wurde von den Bewohnern von Doña Blanca mit Obstsäften vermischt und in den Öfen auf 200 Grad erhitzt. Das Ergebnis war eine sirup-ähnliche Flüssigkeit.

Für Ruiz Mata ist es klar, dass die Ausgrabungen privates Kapital benötigen, und so wendet er sich auf der Suche nach Finanzierung nicht nur an die regionalen Kellereien. Er geht davon aus, dass der Fund nicht nur die Geschichte seiner Heimat dokumentiert, sondern vielmehr von weltgeschichtlicher  Bedeutung ist.

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