Der Stinkefinger von Expräsident Aznar


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Der Aufreger des Monats

José Maria Aznar, Präsident der Stiftung für Analyse und Soziale Studien FAES und Expräsident der Regierung Spaniens, hat durch eine „beleidigende Geste“ nicht nur den spanischen Blätterwald zum Rauschen gebracht, sondern auch Kommentare für jeden Geschmack ausgelöst.

Oviedo – Die junge Garde der konservativen Partido Popular – Neue Generationen hatten Aznar eingeladen, in der Universität von Oviedo einen Vortrag über die derzeitige Wirtschaftskrise zu halten. In seinem Referat, das durch ständige Störungen oppositioneller Studentengruppen gekennzeichnet war und schließlich mit einem Skandal endete, hatte er den Präsidenten José Luis Zapatero recht unfair angegriffen. Unter anderem sprach er ihm die Fähigkeit ab, einen Konsens zu erreichen um die derzeitige Wirtschaftskrise zu meistern.

„Der Chef der Pyromanen kann nicht gleichzeitig der Feuerwehrhauptmann sein, und Spanien benötigt eine große Mannschaft von Feuerwehrleuten“, war nur einer seiner Bonmots.

Vor, während und nach seinem Vortrag hatten Studenten gegen diesen Besuch mit Spruchbändern, Plakaten und Sprechchören protestiert. „Aznar, Faschist, du bist ein Terrorist“ war unter anderem zu hören“.

Schon bei seiner Ankunft in der Wirtschaftsfakultät hatte er einen Seiteneingang benutzt, um den Protestlern zu entgehen, die ihm Plakate entgegenhielten, auf denen er als Kriegsverbrecher oder Buschs Lakai beschimpft wurde. In der Aula empfingen ihn dann seine Anhänger mit brausendem Applaus, um das Geschrei und die Pfiffe der Demonstranten zu übertönen. Mit mehr als 15 Minuten Verspätung begann schließlich sein Vortrag, bei dem er 45 Minuten lang über die Unfähigkeit von Zapatero und seiner Regierung referierte. Doch offenbar hatten sich trotz der strengen Kontrollen der Veranstalter auch einige oppositionelle Studenten in die Aula eingeschlichen, die den Vortrag immer wieder mit Zwischenrufen wie „Faschist“, „Krimineller“ oder „Lügner“ störten.

Inmitten einer Gruppe von Sicherheitsbeamten verließ er die Universität durch das Hauptportal, wo er wieder von Sprechchören empfangen wurde. Zunächst konterte er mit dem Zuruf „Einige von Ihnen wollen mir wohl unbedingt demonstrieren, dass sie ohne mich nicht leben können“. Doch dann verlor er offenbar die Nerven und zeigte der wartenden Menge seinen erhobenen Mittelfinger, in Spanien als peineta und im deutschen Volksmund als Stinkefinger bekannt.

Dieser Ausraster ist allgemein scharf  kritisiert worden, müsste doch ein Politiker solchen Situationen gewachsen sein. Nur seine Partei fand entschuldigende Worte für ihren Ehrenpräsidenten,der schwerste Beleidigungen habe hinnehmen müssen.




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