Der Staat soll einstehen


Die Spanier wünschen sich mehr Unterstützung und Kontrolle

Die Spanier nehmen den Staat mehr in die Verantwortung als andere Europäer, das zeigte sich bei einer Umfrage der Stiftung BBVA.

Madrid – In Spanien erwarten die Bürger von Vater Staat die Leistung einer universellen Gesundheitsversorgung (86% gegenüber 65% in der EU) und einer ausreichenden Altersrente (85% gegenüber 62%), eine Überwachung der Finanzinstitute (78% gegenüber 56%), eine hinreichende Unterstützung der Arbeitslosen (75% gegenüber 39%), eine Garantie für Bankendepots (71% gegenüber 47%) und eine effektive Preiskontrolle (65% gegenüber 45%).

Von Metroscopia befragt, wer die Verantwortung für hilfsbedürftige und benachteiligte Personen tragen sollte, antwortete der Großteil (71%), diese läge beim Staat. Nur wenige nannten die Gesellschaft (14%), die Familie (6%) oder die eigene Person (7%). Der Staat soll sich um alle Hilfsbedürftigen kümmern, dafür würden laut dem Pew Research Center fast 70% der Bürger sogar eine vermehrte staatliche Einmischung in das Privatleben hinnehmen (zum Vergleich: in den USA stuft der überwiegende Teil der Bürger – fast 60% – den Schutz der Privatsphäre höher ein).

Aus der Studie der Stiftung BBVA geht auch hervor, dass die Spanier eine staatliche Überwachung der Wirtschaft befürworten, sogar über die eigene politische Einstellung hinaus. So waren 62% der konservativen und 63% der sozialistischen Wähler der Meinung, die Wirtschaft würde besser funktionieren, wenn sie der staatlichen Kontrolle unterliege. Angesichts des größtenteils unbestraften Machtmissbrauchs und sittenwidrigen Handelns einiger Kreditinstitute in der Zeit vor der Krise ist es kaum verwunderlich, dass 78% eine staatliche Überwachung der Aktivitäten und Gewinne und 71% eine Garantie für die Anlagen der kleinen Sparer fordern. Wie stark die Finanzinstitute in Misskredit geraten sind, zeigen auch die Daten von Metroscopia, wonach 92% der Bürger meinen, allein die Geschäftsleitungen seien schuld am Niedergang bestimmter Banken. Über 70% würden vorziehen, dass der Staat schlecht geführte und kriselnde Finanzinstitute pleitegehen lässt, anstatt die Staatsschuld zu erhöhen und Kürzungen im Gesundheits- und Bildungswesen vorzunehmen. Die Spanier sind empört, dass sie die Scherben kitten müssen, die andere, oft bis heute ungestraft, verursacht haben.




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