Der Kredithahn bleibt zu


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Eines der wichtigsten Ziele des EU-Rettungspaketes wurde nicht erreicht

Zwei Jahre ist es her, dass Spanien von der Europäischen Union (EU) ein millionenschweres Finanzpaket zur Rettung des Finanzsektors angenommen hat. Doch die neuesten Daten der Spanischen Nationalbank belegen, dass die Unterstützung der EU nicht in der Privatwirtschaft angekommen ist, denn die Kreditinstitute vergeben immer weniger statt mehr Darlehen.

Madrid – Seit Jahresbeginn ist die Zahl der neu vergebenen Darlehen an private Unternehmen um fast 13% eingebrochen. Weniger als 140 Milliarden Euro an Finanzierungsmitteln wurden ausgegeben.

Schuld daran ist vor allem der Rückgang der Kredite von über einer Million Euro (Mai: -24%). Scheinbar steigt die Sorge der Finanzinstitute, ihr Geld nicht zurückzuerhalten. Kleinere Darlehen dagegen werden immer öfter vergeben (Mai: +5%).

Die Zahlen zeigen, dass eine der Zielsetzungen des Rettungspaketes – nämlich die Verbesserung der Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen – nicht erreicht wurde. Anders schaut es aus bei den Kleinkrediten an Privatpersonen und Haushalte, die seit Jahresbeginn um 13% auf 24 Milliarden Euro zugelegt haben.

Insgesamt konnte die Banco de España einen kontinuierlichen Schuldenabbau der privaten Unternehmen und Haushalte feststellen. Seit Januar 2007 ist die noch offene Finanzierung der Firmen auf dem Tiefststand, die Familien schulden zum ersten Mal seit November 2006 weniger als 770 Milliarden Euro.

Um die Finanzierung der Unternehmen und somit deren Aktionsfähigkeit und die Wirtschaft an sich wieder anzukurbeln, hat die Nationalbank nun eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht. Dazu gehört die Senkung des Zinssatzes auf das Minimum von 0,15% und die Einführung einer Negativgebühr auf Depots.




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