Der Ex-Präsident von Valencia vergab Aufträge auf „Fingerzeig“


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Nach der Aussage von Iñaki Urdangarin vor dem Untersuchungsrichter

Francisco Camps, Ex-Präsident der Regionalregierung von Valencia und Abgeordneter im Regionalparlament, sowie die Bürgermeisterin der Stadt, Rita Barberá, die ebenfalls im regionalen Parlament sitzt, stehen sozusagen mit einem Fuß vor Gericht.

Palma de Mallorca – Bei seiner Aussage vor dem Untersuchungsrichter José Castro hat Iñaki Urdangarin eingeräumt, dass die beiden Politiker an das von ihm geleitete Instituto Nóos, zwei Aufträge über einen Gesamtbetrag von fast vier Millionen Euro „per Fingerzeig“, also ohne jegliche öffentliche Ausschreibung vergeben haben. Damit befinden sich die beiden Politiker in einer ähnlichen Situation wie der Ex-Präsident der Balearen, Jaume Matas, der wegen der Vergabe von Aufträgen an Nóos bereits vor Gericht stand.

Urdangarin hatte bei dem Verhör zugegeben, dass über alle Aufträge, welche er von verschiedenen Institutionen in Valencia erhalten hat –  wie die beiden Events Valencia Summit und die Vorbereitung von Europäischen Jugendspielen in der Region – bei einem Treffen mit Camps und Barberá entschieden wurde. Sie hätten seine Vorschläge ohne Umschweife angenommen, ohne jegliche öffentliche Ausschreibung.

„Ich traf mich in Valencia mit Francisco Camps, denn ich hatte eine Idee für Europäische Jugendspiele. Ich erläuterte, wie man es machen könnte und dass es eine Möglichkeit gebe, die Pläne durchzuführen, einfach so und nicht mehr“, erklärte Urdangarin.

Er konnte sich zwar nicht mehr genau an das Datum erinnern, wann dieses Treffen stattgefunden hat, doch gleich nach der Zusammenkunft mit Camps habe man mit den Arbeiten an dem Projekt für die Europäischen Jugendspiele begonnen. Dieses Projekt wurde niemals realisiert, aber das Institut Nóos schickte der Regierung von Valencia Rechnungen über 382.000 Euro für eine Serie von Studien, die angeblich durchgeführt wurden.

Urdangarin schilderte dem Untersuchungsrichter auch, wie er der Bürgermeisterin von Valencia sein Projekt vorgestellt habe, in ihrer Stadt ein Event zu organisieren, den Valencia Summit. „Es gab in Valencia Besprechungen mit Bürgermeisterin Rita Barberá und Präsident Camps, um das Projekt zu erläutern. Es war im Rathaus oder bei einem Essen, daran erinnere ich mich nicht mehr so genau, und mit Herrn Camps in seinem Büro. Wir schilderten unsere Ideen, sportliche Veranstaltungen wie den Americas Cup für die Stadt Valencia lukrativ zu machen.“

Auf  Drängen des Untersuchungsrichters räumte Urdangarin schließlich ein, dass er längst mit der Organisation der Events begonnen hatte, bevor die entsprechenden Verträge unterzeichnet waren. Das sei erst lange Zeit nach seinem Treffen mit dem damaligen Präsidenten Francisco Camps und der Bürgermeisterin Rita Barberá geschehen.

Der Richter José Castro hegt weiterhin Zweifel über die Rolle, welche die Infantin Cristina im Institut Nóos gespielt hat. Bislang hat er sie nicht angeklagt. Doch hat er die Protokolle über die Vorstandssitzungen des angeblichen „Unternehmens ohne Gewinnabsicht“ angefordert, um sich ein Bild über ihre Funktion zu machen. Iñaki Urdangarin, der Ehemann der Prinzessin, hatte versichert, sie sei eine Vertrauensperson für ihn gewesen, ohne jegliche Funktion.




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