Der dunkle Kommissar


Der seit 2016 pensionierte Kommissar José Villarejo sitzt zurzeit im Gefängnis. Foto: EFE

Ein Kommissar der Nationalpolizei kassierte 300.000 Euro monatlich dafür, Personen auszuspionieren und unter Druck zu setzen

Madrid – Schon seit November sitzt ein pensionierter Kommissar der Nationalpolizei im Gefängnis, weil er in seiner aktiven Zeit für wohlhabende Auftraggeber einflussreiche Persönlichkeiten ausspionierte und sie unter Druck setzte. José Villarejo kassierte für diese „Dienstleistung“ bis zu 300.000 Euro monatlich. Er gilt als der Kopf eines illegalen Spitzel- und Informationsnetzwerks, das durch die Polizeioperation „Tándem“ zerschlagen worden ist. Seine Anklageliste ist so lang, dass sie ihm den Spitznamen „der dunkle Kommissar“ einbrachte.

Nun wurden im Zuge des Verfahrens gegen ihn Einzelheiten über sein Vorgehen gegenüber einem seiner Opfer, dem Minister für Bergbau und fossile Brennstoffe der afrikanischen Republik Äquatorialguinea, Gabriel Mbega Obiang Lima, bekannt. Dieser ist zudem der Sohn und ein möglicher Nachfolger des Staatschefs Teodoro Obiang.

Villarejo ging bei seinen Machenschaften immer nach dem gleichen Muster vor. Zunächst wurden die Gespräche des von seinen Auftraggebern bezeichneten Opfers abgehört und dessen Bankkonten und Vermögensverhältnisse ausspioniert. Dann wurde nach Schwachstellen gesucht und die Zielperson bloßgestellt oder unter Druck gesetzt.

Die Aktion gegen Gabriel Mbega Obiang Lima ist eine von acht Bespitzelungsaktionen, die der Kommissar für betuchte Kunden in der Zeit von 2013 bis 2017 durchgeführt hat. Der Kontakt lief über ein Büro, das er im Torre Picasso in Madrid unterhielt. Die Aktion gegen Mbega dauerte zwei Jahre an. Als Preis für diese „Dienstleistung“ wurden im März 2012 fünf Millionen Euro vereinbart. Auftraggeber war ein Anwalt des äquatorialguineischen Mineralölkonzerns Gepetrol namens Francisco Menéndez.

Durch die Bestechung von Bankangestellten führte der damals noch im Dienst befindliche Kommissar eine internationale Analyse der Konten und des Vermögens durch. Nach Abschluss dieser Vorarbeiten ging es darum, zu erreichen, dass Gabriel Mbega nicht mehr den Interessen eines weiteren Sohnes und potenziellen Nachfolgers des Präsidenten Teodoro Obiang, Teodoro Obiang Junior, zuwider handeln sollte. Ein Jahr lang wurde das Opfer beschattet und gefilmt. 300.000 Euro pro Monat wurden den Auftraggebern während dieser Etappe des Projekts in Rechnung gestellt. Villarejo machte seinen Kunden gegenüber den Einsatz von nicht weniger als zwölf Autos, fünf Motorrädern, Abhöranlagen und Computerausrüstungen sowie Reisen nach Frankreich, Panama, Luxemburg, Liechtenstein, Schweiz, USA und Gibraltar geltend. Ein Betrag von 100.000 Euro war für die Bezahlung von Spitzeln und Informanten reserviert. Der Kommissar hat für die Umsetzung seiner Rufmordkampagnen ein Netz von Firmen geschaffen, das Filialen in Panama, Uruguay und den USA unterhält. Seinen Kunden versprach er eine Erfolgsquote von 85%.

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