Das unverhoffte Erbe des spanischen Königshauses


Das spanische Königspaar sowie dessen Töchter Leonor und Sofía (auf diesem Bild gemeinsam mit Königin Sofía an Ostern) und ihre sechs Cousins und Cousinen erbten das Vermögen eines von den Balearen stammenden Unternehmers, der keine Nachkommen hatte. Heute wird ein Teil dieses Vermögens in einer von König Felipe VI. gegründeten Stiftung verwaltet, die nach dem Wunsch des Verstorbenen soziale Projekte fördert. Foto: EFE

Mehrere Objekte aus dem Nachlass von Juan Ignacio Balada Llabrés stehen jetzt zum Verkauf. Der Erlös soll in die nach seinem Tod vom Königshaus gegründete Stiftung fließen.

Madrid – Als der von der Baleareninsel Menorca stammende Juan Ignacio Balada Llabrés am 18. November 2009 verstarb, hinterließ er dem damaligen spanischen Kronprinzenpaar, heute König Felipe VI. und Königin Letizia, sowie dessen beiden Töchtern, Nichten und Neffen zu gleichen Teilen die Hälfte seines auf 9.832.995 Euro geschätzten Vermögens, bestehend aus Immobilien, Grundstücken und diversen Investitionen. Die andere Hälfte des Erbes sollte das Prinzenpaar in einer Stiftung verwalten.

Folglich sollten nach dem Wunsch des Verstorbenen rund fünf Millionen Euro zur Gründung einer Stiftung mit drei Zielen verwendet werden: Ausbildung junger Menschen, um ihre Zugangsmöglichkeiten zum Arbeitsmarkt zu verbessern, die Beteiligung, Förderung und Bekanntmachung sozialer Projekte sowie die Förderung der Kultur auf allen Ebenen. Kurioserweise verfügte der Verstorbene, dass die Nichterfüllung dieser Auflagen zur Folge haben würde, dass das Erbe dem israelischen Staat zufalle.

Nach längerem Abwägen dieses merkwürdigen Vermächtnisses beschlossen Letizia und Felipe VI., das Erbe anzutreten und gründeten im April 2010 die Stiftung „Hesperia“, die sich haupsächlich mit der Erforschung seltener Krankheiten und der Integration behinderter Jugendlicher auf Menorca befasst.

Sitz der Stiftung ist der Zarzuela-Palast, den ehrenamtlichen Vorsitz von „Hesperia“ übernahm das spanische Königspaar. Felipe und Letizia ließen ihren Anteil der Erbschaft, der sich auf knapp 370.000 Euro belief, mit in die Stiftung einfließen und beglichen auch die Erbschaftssteuer in Höhe von 682.544 Euro.

Das Vermögen von „Hesperia“ beläuft sich auf insgesamt 5.718.246 Euro. Nun hat sich das Königshaus zum Verkauf eines Teils dieses Vermögens entschlossen, um mit dem Erlös weitere Projekte zu starten und zu finanzieren.

Das scheint ein nicht ganz einfaches Unterfangen zu sein. Seit einigen Wochen steht nun eine 167 Quadratmeter große  renovierungsbedürftige Wohnung in Ciutadella zum Verkauf. Der Ausgangspreis von 190.000 Euro wurde inzwischen auf 175.000 Euro verringert. Die derzeitige Mieterin der Wohnung zahlt der königlichen Stiftung eine monatliche Miete von 100 Euro.

Weitere drei Gebäude in Ciutadella sind ebenfalls Eigentum der Stiftung, darunter die alte Apotheke der Mutter von Balada, die „Farmacia Llabrés“, die unter Denkmalschutz steht. Die Instandsetzung und der Erhalt der bunten, kunstvollen Glasfenster und des historischen Mobiliars im Inneren bedeuten für die Stiftung einen hohen Unkostenfaktor. Nach Beendigung der Renovierungsarbeiten wird die alte Apotheke Sitz der Stiftung für behinderte Jugendliche der Mittelmeerinsel. Die oberen Etagen des Gebäudes sollen für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden.

Ebenfalls zum Verkauf ausgeschrieben ist ein 500 Quadratmeter großes Palais direkt an der Plaza Joan de Borbó, in dem Balada Llabrés bis zu seinem Tod wohnte und dessen Wert auf 1,5 Millionen Euro geschätzt wird. Eigentümer dieses Gebäudes sind laut Grundbuch die acht Enkel von König Juan Carlos und Königin Sofía.

Eine große Finca, die jeweils zur Hälfte den Nichten von Balada und der Stiftung gehört, bildet ebenfalls einen Teil des Nachlasses von Balada. Auch erbten die Töchter des spanischen Königspaares zusammen mit ihren Cousins und Cousinen je 27.295 Euro in bar.

Sieben Jahre nach dem Tod von Juan Ignacio Balada Llabrés ist sein polemisches Testament in Ciutadella noch immer in aller Munde. Viele Bürger haben kein Verständnis für die Großzügigkeit gegenüber dem Königshaus.

Spross einer vermögenden Familie

Den Grundstock seines Vermögens erbte Balada Llabrés von seinem aus Valencia stammenden Vater. Dieser heiratete kurz nach seiner Ankunft auf Menorca die erste Apothekerin der Insel, eine aus einer vermögenden jüdischen Familie stammende Akademikerin.

Der Geschäftssinn von Baladas Vater, der das erste Kino der Insel eröffnete, einen Brunnen kaufte, eine Eisfabrik eröffnete und letztendlich ein Vermögen mit dem Verkauf von Fliesen verdiente, machte auch seinen einzigen Sohn zum Millionär. Nach Aussagen seiner wenigen Freunde war Juan Ignacio introvertiert, Anhänger der Monarchie und Mitglied einer Loge. Andere beschreiben ihn als gebildeten, eleganten Herrn. Einig sind sich alle, dass er ein Einzelgänger war, weshalb er auch nie heiratete.

Als Eigentümer zahlreicher historischer Gebäude von Ciutadella, der ehemaligen Hauptstadt von Menorca, besaß Balada Llabrés Mietwohnungen und Grundstücke, war Investor und Bauträger und spekulierte mit beachtlichem Erfolg auch an der Börse. Ein Bekannter sagte, er habe stundenlang am Computer gesessen.

Das Gesellschaftskapital seiner Investitionsfirma Adalab S.L. betrug am Tage seines Todes über acht Millionen Euro.




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