Das Millionengeschäft mit dem Junggesellenabschied

Gefeiert wird gerne in Bars und Clubs. Foto: Pixabay

Immer mehr junge Leute feiern in Spanien ihren Abschied vom Single-Dasein

Madrid – Dem Single-Dasein mit wilden Partys Adieu sagen ist in Spanien zu einem riesigen Geschäft geworden. Nach jüngsten Angaben des Hotellerie- und Gastronomiesektors belaufen sich die Einnahmen, die durch die sogenannten Junggesellenabschiede generiert werden, auf über 300 Millionen Euro jährlich. Das entspricht in etwa dem Umsatz, den die Fastfood-Kette Burger King alljährlich in Spanien verzeichnet. Spanien gehört mit etwa 300.000 Feiern dieser Art pro Jahr nicht nur zu den Lieblingsländern unter den heiratswilligen jungen Leuten, so der Verband der Vereinigungen für nächtliche Unterhaltung in Spanien, sondern belegt im Weltranking sogar Platz Eins in Sachen Freizeitvergnügen.
Im Zuge dieser Entwicklung hat sich die Anzahl der auf diese Sparte spezialisierten Reiseagenturen und Websites, die entsprechende Angebote inzwischen in allen autonomen Regionen anbieten, verdoppelt. Die Aussichten sind so Erfolg versprechend, dass immer mehr Unternehmen und Betriebe ein Stück vom Kuchen abhaben wollen.
Nach Angaben des spanischen Statistikamtes INE wurden 2018 in Spanien 167.613 Hochzeiten gefeiert. Insgesamt ist hier von rund 300.000 Kunden die Rede, die alle bereit sind, über 100 Euro für einen unvergesslichen Tag auszugeben.
Für Junggesellenabschiede finden sich meist Gruppen von 8 bis 14 Personen zusammen. Wenn eine Übernachtung hinzukommt, können sich die Ausgaben auf bis zu 200 Euro pro Person belaufen. Das komme sogar sehr häufig vor, so Davinia Rosales von dem Veranstaltungsunternehmen Eventos Málaga. „Oftmals finden sogar drei Abschiedsfeiern pro Paar statt, eine für den Bräutigam, eine für die Braut und eine gemeinsame Feier, damit sich die Gäste vor dem eigentlichen Hochzeitsfest schon einmal kennenlernen können.“
Ihr zufolge gehören Granada, Valladolid, Benidorm, Valencia, Madrid, Málaga, Salamanca, Barcelona und Mallorca zu den beliebtesten Reisezielen für Junggesellenabschiede.
Etwas zurückhaltender ist hingegen Javier García. Der Gründer von Big Eventos, eine der renommiertesten Agenturen für derartige Events, erklärte, das Geschäftspotenzial sei sehr verstreut und der wirtschaftliche Spielraum für jedes einzelne beteiligte Unternehmen eher gering. „Zwischen März und Oktober organisieren wir knapp 2.000 Junggesellenabschiede mit Gruppen von etwa 10 Personen, die Gewinnspanne liegt dabei bei etwa 15%.“
Das Veranstaltungsangebot reicht von Bar- und Club-Besuchen bis hin zu Tagesaktivitäten wie Paintball oder Quad. Die Veranstalter stellen inzwischen Programme zusammen, die bis weit in den nächsten Tag hineinreichen. Eine durchschnittliche Junggesellenfeier läuft in etwa wie folgt ab: Der Tag beginnt meist mit einer sogenannten Beauty Party. Der Kostenfaktor liegt hier bei etwa 39 Euro. Danach könnte die Feier weiter gehen mit einer Spazierfahrt in einer Limousine. Die Kosten liegen hier bei 10 Euro pro Person. Weiter geht es beispielsweise mit dem Besuch eines sogenannten Escape Rooms, wo etwa 20 Euro Eintritt fällig werden. Das anschließende Abendessen mit zusätzlicher Show kostet im Schnitt um die 50 Euro. Wenn danach noch eine Stripperin oder Ähnliches gebucht werden soll, fallen für einen Auftritt von etwa 10 bis 20 Minuten zwischen 150 und 200 Euro an. Sollte die Feier in einer anderen Stadt stattfinden, kommen noch die Reise- und Übernachtungskosten dazu. In Städten wie Benidorm werden von diesen Feiergruppen, die häufig auch aus Großbritannien, Belgien, Frankreich und Portugal stammen, meist gleich mehrere Übernachtungen gebucht. Im Schnitt müssen dafür zwischen 200 und 250 Euro ausgegeben werden.
Nach Worten des Vorsitzenden des Hotelverbands von Benidorm, ist die Stadt zu einem wahren Paradies für Junggesellenfeiern geworden. „Die jungen Leute wollen einfach Spaß haben“, meint Toni Mayor wörtlich. „Es handelt sich hier um einen Tourismus, der Einnahmen bringt, potenzielle zukünftige Touristen generiert und nicht allzu viele Probleme bereitet.“ Und sollte dies doch einmal der Fall sein, dann gäbe es dafür ja die entsprechenden „Verordnungen, Bußgelder und die Polizei“.

Beschwerden der Anwohner

Nicht so glücklich über die steigende Tendenz des Junggesellen-Tourismus sind allerdings in vielen Fällen die unter nächtlicher Ruhestörung leidenden Anwohner der Vergnügungsviertel. In Städten wie La Rioja und Granada beschweren sich die Betroffenen über den Lärm zu nächtlicher Stunde, geschmacklose Kostümierung und Saufgelage.
Abhilfe soll hier geschaffen werden, indem nur noch die Feiern eine Erlaubnis erhalten, die professionell organisiert werden und möglichst in eigens dafür vorgesehenen Gebieten stattfinden. Eine weitere Option, die die Behörden in diesem Zusammenhang erwägen, ist, für solche Feiern die Vermietung von Fincas und Vergnügungskomplexen außerhalb der Stadt zu fördern.

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