Das meiste Geld der Spanier liegt in der Schweiz


Bisher wurde ein Auslandsvermögen von 124 Milliarden Euro bekannt

Im Kampf gegen die Steuerhinterziehung verpflichtete die Regierung die Steuerpflichtigen erstmals im Jahr 2013, „informative Erklärungen“ über ihr Vermögen im Ausland einzureichen und außerhalb Spaniens vorhandene Konten, Kapitalanlagen, Dividenden und Zinseinkünfte aufzudecken und zu versteuern. Santiago Menéndez, Generaldirektor der spanischen Finanzbehörde, gab dieser Tage im Abgeordnetenhaus Auskunft über die Ergebnisse.

Demnach haben 2013 rund 135.000 Steuerpflichtige das „Modell 720“ eingereicht und ein Auslandsvermögen von 89 Milliarden Euro deklariert. Der Großteil von knapp 20 Milliarden Euro befindet sich in der Schweiz, gefolgt von Andorra (4 Milliarden Euro) und Gibraltar (260 Millionen Euro). Bei der entsprechenden Kampagne im Jahr 2014 informierten noch einmal 32.500 Steuerpflichtige das Finanzamt von ihrem Auslandsvermögen über 20,7 Milliarden Euro, in diesem Jahr waren es 27.500 Personen, die 14,3 Milliarden Euro aufdeckten. Folglich liegen dem Finanzamt derzeit Erklärungen von 195.000 Steuerpflichtigen und detaillierte Informationen über ein gesamtes Auslandsvermögen von 124 Milliarden Euro vor. 

Im Abgeordnetenhaus verteidigte Menéndez die 2012 durchgeführte Steueramnestie, in deren Rahmen Schwarzgeld-Sündern die Möglichkeit gegeben wurde, innerhalb von sechs Monaten hinterzogenes Geld gegen eine Niedrigsteuer von zehn Prozent zu legalisieren. Damals erhoffte sich die Regierung eine ordentliche Finanzspritze für die Staatskasse, wurde jedoch bitter enttäuscht, weil weit weniger Steuersünder – rund 31.000 – Gebrauch von der Möglichkeit machten als erwartet. Weniger als die Hälfte der erhofften 2,5 Milliarden Euro wurden eingenommen. Menéndez rechtfertigte die Steueramnestie damit, dass die Fahnder beim Datenvergleich auf 715 mögliche Fälle der illegalen Geldwäsche gestoßen seien, darunter diverse „heiße Fälle“. 

Auf Fragen der Opposition zu weiteren Einzelheiten wollte sich Menéndez nicht einlassen.

Kurz darauf verhinderte die Partido Popular, die im Abgeordnetenhaus dank einer absoluten Mehrheit praktisch Handlungsfreiheit hat, erneut die Veröffentlichung einer Liste der „größten Steuersünder“. 




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