„Das Gedenken der Opfer des Terrorismus darf nicht in Vergessenheit geraten“

Die Gedenkzeremonie fand in den Gärten des Königspalastes in Madrid statt. Foto: Casa de S.M. el Rey

Die Gedenkzeremonie fand in den Gärten des Königspalastes in Madrid statt. Foto: Casa de S.M. el Rey

König Felipe VI. ruft im Kampf gegen den Terrorismus zur Einheit auf

Madrid – Anlässlich des 16. Europäischen Gedenktages für die Opfer des Terrorismus hat König Felipe VI. eindringlich dazu aufgerufen, die Erinnerung an die Opfer terroristischer Gräueltaten unbedingt wachzuhalten, damit auch die nachkommenden Generationen das Bewusstsein dafür bewahren, wie „schrecklich und pervers“ diese Anschläge sind und nichts unversucht bleiben darf, um zu verhindern, dass sich Derartiges je wiederholt.
Dieser Gedenktag wurde nach den verheerenden Terroranschlägen vom 11. März 2004 in Madrid ins Leben gerufen und wird seitdem alljährlich zu Ehren und im Andenken an die unzähligen Opfer dieser Anschläge begangen.
In diesem Jahr fand die Gedenkveranstaltung im Beisein aller wichtigen Vertreter aus Politik und Gesellschaft in den Gärten des Königspalastes statt. Dabei verlasen unter anderem zwei Jugendliche, die am 11. bzw. 12. März 2004 geboren wurden – den Tagen, an denen Spanien durch die schrecklichsten Terroranschläge seiner Geschichte erschüttert wurde – die Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

König Felipe und Königin Letizia während der Schweigeminute, die zum Abschluss des Staatsakts gehalten wurde. Foto: Casa de S.M. el Rey
König Felipe und Königin Letizia während der Schweigeminute, die zum Abschluss des Staatsakts gehalten wurde. Foto: Casa de S.M. el Rey

König Felipe seinerseits rief in seiner Rede alle Europäer zur Einheit im Kampf gegen den Terrorismus auf, „egal von woher er kommt und egal wer ihn ausübt“. Das Andenken an die Opfer zu wahren, sei nicht nur „ein Zeichen des Respektes und der Gerechtigkeit“ ihnen gegenüber, sondern auch ein Weg, um die Gesellschaft gegen Gewalt und Terror „zu impfen“. Es müsse alles darangesetzt werden, „die Radikalisierung einiger Sektoren in der Gesellschaft zu verhindern und jegliche Form von Legitimation von Gewalt als Mittel, um politische Ziele zu erreichen, abzulehnen“. Dabei sei eine entsprechende Bildung der jungen Menschen besonders wichtig, damit auch sie die Bedeutung eines friedlichen Zusammenlebens weitertragen.
Stellvertretend für die Opfer sprach Tomás Caballero, Vorsitzender der Stiftung „Fundación de Víctimas del Terrorismo“, dessen Vater 1998 durch die baskische Terrororganisation ETA ermordet wurde. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass ehemalige Mitglieder der ETA ehrenvoll von Anwohnern empfangen werden, wenn sie aus dem Gefängnis entlassen werden und in ihre Heimatorte zurückkehren. Diese Ehrveranstaltungen, die tatsächlich immer wieder in baskischen Ortschaften stattfinden, stellten nicht nur eine Beleidigung der Opfer dar, sondern bedeuteten auch ihre erneute Viktimisierung. „Egal, wer gerade regiert, in keinem Fall darf erlaubt werden, dass Terroristen ihr Bild reinwaschen“, meinte er wörtlich.
Genau 17 Jahre nach den Anschlägen vom 11. März hat Santiago Abascal, der Vorsitzende der extrem rechten, nationalkonservativen Partei Vox erneut öffentlich angedeutet, die ganze Wahrheit über die Attentate sei nicht bekannt, womit er wieder die Verschwörungstheorie anfeuert, die Urheberschaft der Attentate sei verschleiert worden.
Bei den durch islamistische Terroristen ausgelösten Bombenexplosionen in Madrider Nahverkehrszügen kamen am 11. März 2004 191 Menschen ums Leben und 2.051 wurden verletzt. In den auf die Anschläge folgenden Tagen wurde viel über die Urheber spekuliert. Die damalige konservative Regierung (PP) unter José María Aznar benannte überraschend schnell die ETA als Verantwortliche. Drei Tage nach den Anschlägen waren Parlamentswahlen in Spanien. Bis dahin sollte allem Anschein nach das Bild, die baskische Terrororganisation sei verantwortlich, in der Öffentlichkeit aufrechterhalten werden. Islamistische Täter hätten einen erneuten Wahlsieg der Konservativen stark gefährdet. Schnell wurde jedoch in der Öffentlichkeit an dieser Behauptung gezweifelt, und das Festhalten der Regierung an ihrer ETA-These löste heftigen Prostest in weiten Teilen der Bevölkerung aus. Noch am Vorabend der Wahlen wurde dann einschlägiges Beweismaterial gefunden, nach dem sich die Fahndung in Richtung islamistischer Terror immer mehr konkretisierte. Die Parlamentswahlen gewannen damals mit deutlichem Vorsprung die Sozialisten unter José Luis Rodríguez Zapatero.

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