Das Flußwasser des Tajo wird zur Brandbekämpfung umgeleitet


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92 km-Rohrleitung in Rekordzeit verlegt

Das spanische Umweltminis­terium hat eine neue Wasserleitung in der Provinz Kastilien-La Mancha in Betrieb genommen, um die Bodenbrände im Nationalpark „Las Tablas de Daimiel“ am Río Cigüela zu löschen. Das Schutzgebiet ist eine der letzten verbleibenden Flußauen in Zentralspanien und leidet seit fünf Jahren unter einer extremen Dürre.

Madrid – Bis in die 70er Jahre hat man die Flüsse Spaniens reguliert und kanalisiert, und danach begann die extreme Wasserentnahme aus illegalen Brunnen für die Bewässerung der Intensivlandwirtschaft. Der Boden trocknete derart aus, dass sich zahlreiche Risse bildeten, durch die der Luftsauerstoff in Kontakt mit dem Torf kam, der sich in Jahrtausenden dort abgelagert hat. Das führte im August des vergangenen Jahres zu Spontan­entzündungen, und seither brennt der Torf als Schwelbrand im Untergrund – ein Phänomen, das man sonst nur aus Südostasien oder Afrika kennt.

Nachdem die UNESCO gedroht hatte, dem Park das Prädikat „Biosphärenreservat“ abzuerkennen und eine Delegation der EU-Kommission für Ende Januar eine Ortsbesichtigung ankündigte, war Eile geboten. In der Rekordzeit von nur zwei Monaten baute die Regierung eine 92 km lange Rohrleitung mit 1,40 Metern Durchmesser sowie ein Pumpwerk, um das Gebiet schnellstmöglich zu fluten und so die Brände zu löschen. 8,5 Millionen Euro ließ sich die Regierung das Projekt kosten, und wegen der Eile ließ man nicht einmal ein sonst erforderliches Umweltgutachten zur Wasser­entnahme aus einem Stausee des Río Tajo erstellen. Insgesamt 10 Millionen Kubikmeter Wasser, das ist so viel, wie in zehn große Fußballstadien passen würde, sollen direkt zur brennenden Flussaue geleitet werden. Schon im April 2009 hatte man 23 Millionen Kubikmeter in das obere Flußbett des  Río Cigüela geleitet. Das war aber derart ausgetrocknet, dass in der Au 60 km unterhalb nur noch 0,75 Mio. m3 ankamen. Die neue Leitung wurde um diese Strecke verlängert.

Hilfreich bei der Aktion sind die ausgiebigen Regenfälle dieses Winters sowie die Bohrung von sieben Notbrunnen für Löschzwecke. Die verantwortlichen Behörden zeigten sich sehr zufrieden mit dem schnellen Abschluss der Arbeiten, während Umweltschützer wie die „Ecologistas en Acción“ kritisieren, das umgeleitete Wasser könnte woanders fehlen und es hätte auch einfachere und billigere Lösungen gegeben, das Wasser des Tajo in das brennende Gebiet zu leiten.




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