China – unsere Chance!


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

Der chinesische Markt für Luxusgüter wird in diesem Jahr um 23% auf 84,3 Milliarden Yuan (9,3 Mrd. Euro) wachsen.

Das macht China zum weltweit am schnellsten wachsenden Markt für Leder- und Juwelierwaren. Bei meinem Aufenthalt in Hongkong, bei dem ich einige dort ansässige Portfoliomanager besucht habe, sind mir Menschenschlangen vor den Geschäften von Gucci, Chanel und Louis Vuitton aufgefallen. Die Wartenden werden dort sieben Tage die Woche jeweils zu zehnt hereingelassen, damit sie einkaufen können. Geht man davon aus, dass in diesen Geschäften keine Waren unter 1.000 Euro erhältlich sind, so muss jeder der Wartenden (zu beinahe 100% Besucher aus China) mindestens 1.000 Euro zum Ausgeben in der Tasche haben. Ortsansässige berichteten mir, dass sich dieselben Szenen in den Geschäften dieser Luxusketten in China abspielen. Inzwischen haben manche Juweliere in Europa Schwierigkeiten Nachlieferungen zu erhalten, da die Luxuskonzerne die meisten Waren nach China zum Verkauf senden.

So verkauft zum Beispiel Daimler in China die S-Klasse zu einem Stückpreis von über 150.000 Euro (25% Importzoll, 17 % Mehrwertsteuer). Die Nachfrage für Luxuswagen wuchs trotz der höheren Preise von 2005 bis 2009 im Durchschnitt um 30% jährlich. Die von Daimler sogar um 52%. Inzwischen erzielt Daimler 15 bis 20% seines Umsatzes in China. Dabei besitzen nur 3,2% der Bevölkerung ein Auto. Schätzungen gehen davon aus, dass die Haushalte mit einem Jahreseinkommen von über 100.000 US-Dollar bis 2020 jährlich um durchschnittlich 12% wachsen werden.

Auch die Meinung zur Immobilienblase ist bei den Experten in Hongkong konträr zu dem, was wir in unseren Zeitungen lesen. Der kommerzielle Immobilienmarkt wird zwar auch kritisch gesehen, aber im Wohnungsmarkt kann von Blase keine Rede sein. Die Chinesen dürfen erst seit fünf Jahren Wohnungseigentum erwerben. All die Jahre zuvor haben Großeltern und Eltern gespart. Jetzt wird das Geld neben der eigenen Wohnung auch für die Kinder angelegt. Die Wohnung wird oft in einer Großstadt gekauft, da die Kinder dort wegen der besseren Möglichkeiten studieren sollen. Da die Wohnungen in China zum großen Teil nur im Rohbau – Bad und sanitäre Einrichtungen baut man selbst ein – verkauft werden, wirkt das für einen europäischen Besucher oft wie eine unfertige Geisterstadt. Doch da die Finanzierung in den meisten Fällen solide ist und der zukünftige Bewohner auch schon feststeht, kann von Überkapazität keine Rede sein. Zurzeit liegt der Urbanisierungsgrad in China bei 40%. Im Vergleich dazu hat in Deutschland die Verstädterung 75% erreicht. Auch in China werden bei einer Bevölkerung von 1,4 Milliarden 2020 erstmals mehr Menschen in den Städten als auf dem Land leben. Das bedeutet einen für unsere Vorstellungen ungeheuren Wohnungsbedarf in allen Städten Chinas.

Auch der neue 5-Jahres-Plan Chinas, dessen Einzelheiten im kommenden Jahr publiziert werden, sind sehr aufschlussreich: Die Regierung hat die ursprüngliche, traditionelle Bezeichnung „Plan“ (chinesisch Ji Hua) durch den Begriff Gui Hua, was so viel wie Programm bedeutet, ersetzt. Das neue Wort zeigt, wie der zukünftige politische Trend aussieht: Der Weg wird in Richtung mehr sozialer Ausgewogenheit gehen. Die Programme zur sozialen Absicherung, Krankenversicherung und so weiter werden zukünftig forciert werden. Auch dies wird den Konsum fördern, da dann nicht mehr so viele Ersparnisse zur Eigenvorsorge benötigt werden.

Das alles bestätigt unsere Meinung, dass in China mittelfristig auch der private Konsum als Wachstumstreiber ins Blickfeld rückt. Mit Blick auf den chinesischen Konsumenten kann man sagen: „Das ist erst der Anfang.“ Negativ an dieser dynamischen Entwicklung des Kontinents Asien wird aber, wie auch in der Vergangenheit, die Volatilität, die Schwankung an den Märkten, sein. Die Welt wird sich weiterentwickeln und die Gewichte in Politik, Macht und Wirtschaft werden sich mit allen damit verbundenen Konsequenzen verschieben. Aber wir werden die Chancen des chinesischen Kapitalmarktes auf jeden Fall im Auge behalten.

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Am 4. Februar 2011 findet für unsere Gäste in Puerto de la Cruz im Hotel Riu Garoe ein privater Vortrag zum Thema „Wie investiere ich 2011“ statt. Haben Sie Interesse? Dann wenden Sie sich unter der Telefon-Nr.: 922 575496 an Herrn Robert Burlon.




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