Castor kostete bislang 1,7 Milliarden Euro


Energie-Ministerium hat weitere Forderung seitens des Betreiberunternehmens des Erdgaslagers anerkannt

Das Erdgaslager Castor, das während der Probephase Erdstöße verursachte, hat den Staat bislang 1,7 Milliarden Euro gekostet, wie dieser Tage bekannt wurde.

Schwerwiegende Auswirkungen

Spanien hängt, was die Erdgasversorgung angeht, fast vollständig von Importen aus dem Ausland ab. Deshalb wird seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts an der Ausweitung der strategischen Gasreserven des Landes gearbeitet, um für Lieferengpässe aufgrund wirtschaftlicher oder politischer Krisen gewappnet zu sein. Zu diesem Zweck sollten neue unterirdische Lager eingerichtet und ein bereits bestehendes erweitert werden. Die Planung sah vor, die Kapazitäten bis 2016 um 238% zu erhöhen. Doch bis Anfang 2015 mussten bereits drei Projekte gestoppt werden, unter anderem der Castor im Golf von Valencia, sodass dieses Ziel in weite Ferne gerückt ist. 

Die Gaslagerstätte Castor nutzte den Hohlraum eines ausgebeuteten Erdölvorkommens im Mittelmeer vor Castellón und Tarragona. Eine 30 Kilometer lange Gasleitung führte das Erdgas aus dem staatlichen Netz zu einer Plattform, die das Gas in das natürliche Lager 1.750 Meter unter dem Meeresspiegel presste. Dieses hatte ein Fassungsvermögen von 1,9 Milliarden Kubikmetern, eine Menge, die ausgereicht hätte, den Bedarf Spaniens rund 50 Tage lang zu decken. 

Als jedoch seit April 2012 damit begonnen wurde, Gas einzulagern, kam es immer wieder zu kleineren Erdbeben, die teilweise auch für die Bevölkerung an der Küste spürbar waren. Im September 2012 verstärkten sich parallel zur Anhebung des Drucks und der Geschwindigkeit des Pressvorgangs auch die seismischen Effekte über das normale Maß, das in Mikrobeben der Stärke 1 oder 2 besteht, hinaus, und das Projekt wurde gestoppt und für gescheitert erklärt. 

Kosten in Milliarden-Höhe

Infolgedessen entzog die Regierung dem Betreiberunternehmen Escal UGS die Lizenz für die Einlagerung und zahlte zunächst 1,35 Milliarden Euro Entschädigung für die überflüssig gewordenen Investitionen. 

Dieser Tage nun bestätigten Vertreter des Unternehmens gegenüber der Zeitung El País, das von José Manuel Soria geleitete Energie-Ministerium werde weitere 295,6 Millionen Euro als Ausgleich für den entgangenen Gewinn während der über zweijährigen Probephase überweisen. So war es zwar vor Jahren in einem Dekret festgelegt worden, Minister Soria hatte jedoch die am 17. November 2015 getroffene Entscheidung der baldigen Überweisung, wohl angesichts der bevorstehenden Wahlen, nicht öffentlich werden lassen. 

Zu dieser Summe kommen noch 4,5 Millionen Euro hinzu, die Ende 2015 an Escal als Ausgleich für die beiden Monate zwischen Einstellung und Übergabe an Enagas gezahlt wurden.

Insgesamt belaufen sich die Kosten für das Castor-Fiasko auf 1,7 Milliarden Euro. 

Die Verbraucherschutzorganisation Facua erklärte das Schweigen über die Forderungs-Anerkennung seitens des Energie-Ministeriums vor Durchführung der Generalwahlen als „skandalös“. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace schloss sich dieser Auffassung an.

Die Staatsanwaltschaft von Castellón bereitet eine Klage gegen die Unternehmensführung von UGS und die Verantwortlichen für die Umweltprüfung vor.




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