Camps streicht Sexualkunde-Unterricht


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Valencias Erzbischof Osoro: „Reduziertes Bild vom menschlichen Wesen“

Die Regionalregierung von Valencia unter der Leitung von Präsident Francisco Camps hat den Sexualkunde-Unterricht an Schulen gestrichen.

Valencia – Am 12. Juli informierte das Gesundheitsamt die Zentren für Sexualgesundheit und Fortpflanzung über die „temporäre Aussetzung“ dieses Aufklärungsprogrammes für Schüler im Alter von 14 und 15 Jahren. Die Schulen erfuhren davon erst jetzt. Eingefroren wurden auch die von diversen Gesundheitszentren angebotenen Kurse in Sexualerziehung.

Bisher wurden Sexualkunde und Informations-Material an 400 öffentlichen und privaten Schulen der Autonomieregion Valencia angeboten. Wissenschaftliche Institutionen wie die Akademie der Sexualkunde-Spezialisten, die Stiftung für Verhütung oder die Vereinigung von Hausärzten Semyfc unterstützten diese Initiativen. Nun wurden diese gestrichen, doch mehrere Schulen haben bereits Beschwerden beim Erziehungsministerium eingereicht, da es sich „bei der Sexualkunde um eine sehr wirkungsvolle Erziehungsmethode hinsichtlich der Verhütung für Minderjährige handele“. In einem Schreiben erklärten Gesundheits- und Erziehungsamt, der Sexualkunde-Unterricht werde nicht für immer abgeschafft, man sei beim „Umformulieren“ der zu technisch ausgedrückten Texte.

Vor Beginn des Sommers hatte Valencias Erzbischof Carlos Osoro seiner Missbilligung Ausdruck verliehen, denn der derzeitige Sexualkunde-Unterricht biete „ein sehr reduziertes Bild vom menschlichen Wesen“. Kurz darauf beauftragte das Erzbistum das Valencianische Institut für Fruchtbarkeit, Sexualität und familiäre Beziehungen (scheinbar dem Opus Dei nahestehend), alternative Kurse zu entwickeln, um diese an den Schulen anzubieten.

Skandal um Francisco Camps

Francisco Camps, Präsident der Regionalregierung von Valencia und Mitglied der konservativen Partei Partido Popular, sorgt seit fast zwei Jahren für viele negative Schlagzeilen. Ihm wird vorgeworfen, in den Fall „Gürtel“ involviert zu sein.

Hierbei handelt es sich um ein weit verstricktes Korruptionsnetz um den Unternehmer Francisco Correa (auf deutsch: Gürtel). Angehörige der Regierung Valencias und hohe Führungskräfte der dortigen PP sollen lukrative öffentliche Aufträge teils ohne Ausschreibung zugeschanzt und im Gegenzug großzügige Schmiergelder einkassiert haben. Die involvierten Unternehmen waren scheinbar oft nicht auf den zugewiesenen Gebieten tätig, gaben die Aufträge an kleinere Unternehmen weiter und behielten große Differenzsummen ein. Auf der anderen Seite wurde vermutlich die Parteifinanzierung der valencianischen PP ab und zu von außen gut aufgestockt.

Camps wird u.a vorgeworfen, von seinen „Freunden“ finanzierte maßgeschneiderte Anzüge im Wert von 50.000 Euro angenommen zu haben.

Über diese Monate hinweg kommen fast täglich neue Erkenntnisse und Verstrickungen an das Tageslicht. Die Ermittlungen sind im Gange und auch die Räder der Justiz laufen auf Hochtouren, um den Skandal komplett aufzuklären. Gerade hat das Oberste Gericht von Madrid die Ermittlungen wegen des Verdachts der illegalen Parteifinanzierung, u.a., an das Oberste Gericht von Valencia verwiesen.




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