Cádiz vor 2000 Jahren


Eine Wanderausstellung präsentiert die Forschungsergebnisse zum „Testaccio haliéutico“ von Cádiz. Foto: turismo cádiz

Antike Müllhalde vervollständigt das Bild der altrömischen Hafenstadt

Cádiz – Was die Menschen wegwerfen, sagt stets eine Menge über sie selbst und ihre Lebensweise aus. Besonders interessant wird dies, wenn man die betreffenden Personen nicht mehr kennenlernen und befragen kann, beispielsweise, weil sie schon seit 2.000 Jahren nicht mehr unter uns weilen.

Der letzte große archäologische Fund, der in der andalusischen Hafenstadt Cádiz gelang, ist genau von dieser Art: Eine nahezu 30 Meter hohe Mülldeponie aus der Zeit der alten Römer – aus dem ersten Jahrhundert vor Christus – lässt Archäologen-Träume wahr werden und erlaubt tiefe Einblicke in das wirtschaftliche und kulturelle Leben in dieser römischen Provinz – ein Spiegel des Wohlstandes und der Pracht des antiken Cádiz, das damals noch Gades genannt wurde.

Der sensationelle Fund wurde „Testaccio haliéutico“ (Fischerei-Scherben) getauft, nach dem berühmten Monte Testaccio (Scherbenberg), einem Hügel von 45 Metern Höhe und Tausend Metern Umfang im Stadtgebiet von Rom, der durch die Aufschichtung unzähliger Amphoren-Scherben entstanden ist.

Dass Cádiz damals eine bedeutende Stadt war, ist nicht neu, denn davon zeugen unter anderem das älteste Theater der Iberischen Halbinsel und ein Aquädukt, welches zu den fünf größten des gesamten Römischen Reiches zählt. Doch nun kann dieses Wissen durch die Entdeckung der antiken Deponie, deren Existenz bis vor Kurzem gänzlich unbekannt war, vervollständigt werden. Der „Testaccio haliéutico“ wurde seit etwa 50 v. Chr. über ein Jahrhundert lang genutzt und befindet sich nahe dem zentral gelegenen Strand La Caleta, dem damaligen römischen Handelshafen.

Der sensationelle Fund schlummerte versteckt unter dem Fundament des im Jahr 1942 erbauten Universitätsgebäudes El Olivillo, das seit 2017, nach Jahrzehnten des Leerstandes, renoviert wird. Mit der Leitung der wissenschaftlichen Untersuchung wurde der Archäologe Prof. Darío Bernal betraut. Von dem riesenhaften Abfallberg ist wegen der Bebauung nur ein kleiner Ausschnitt ausgegraben worden, insgesamt sieben Meter. Professor Bernal geht jedoch davon aus, dass er eine horizontale Ausdehnung von 75 bis 125 Metern und eine Höhe von fast 30 Metern erreicht – die Größe eines achtstöckigen Gebäudes und somit ebenso weithin sichtbar wie der Leuchtturm, der damals an dieser Küste stand.

Zutage kamen bei den Ausgrabungen Amphoren-Scherben in großer Zahl sowie tierische Rückstände (vor allem von Meerestieren) und verkohlte Pflanzenreste. Die Fundstücke wurden von über fünfzig Forschern in zehn verschiedenen wissenschaftlichen Instituten im Rahmen einer interdisziplinären Studie analysiert, an der Archäologen, Biologen und Geologen beteiligt waren. Die Resultate, die in dem Buch „7 Metros de Historia de Cádiz“  und in einer gleichnamigen Wanderausstellung präsentiert werden, deuten auf eine Ausdehnung der antiken öffentlichen Müllhalde über ein Terrain von bis zu 12.000 Quadratmetern hin. Vor allem Abfälle der nahegelegenen Pökelbetriebe sowie der Fischprodukte, die man als Waren in den Hafen brachte oder von dort aus verschiffte, wurden dort entsorgt.




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