Bürokratie auf Schildbürger-Niveau


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Unternehmensgründung

Nach dem aktuell veröffentlichten Weltbank-Report „Do­ing Business 2013“ liegt Spanien auf Platz 136 von 185 untersuchten Ländern, was das Erleichtern von Unternehmensgründungen angeht. Damit gehört es weiterhin zu den Ländern, in denen es am schwierigsten und langwierigsten ist, ein Unternehmen zu starten.

Madrid/Cadiz – Die Tageszeitung El Pais illustrierte dies dieser Tage mit einem ausführlichen Bericht über die unternehmerische Odyssee eines erfahrenen, international tätigen Geschäftsmannes in Vejer bei Cadiz. Dieser Gründer benötigte sage und schreibe drei Jahre und 10.000 Euro allein für den Papierkrieg, bevor er sein neues Unternehmen in Betrieb nehmen konnte. Ramón Iglesias wollte auf einer ererbten Finca von 17 Hektar Größe Wein und Oliven anbauen und eine ökologische Ölmühle errichten. Laut Regierung dauert es in Spanien nur 24 Stunden, ein Unternehmen zu gründen. Nach den Erfahrungen der Unternehmer im Lande sind es jedoch im Durchschnitt stolze 47 Tage. Wie Iglesias erleben musste, ist jedoch die Gründung eines Unternehmens auf dem Papier nicht das Langwierigste. Schwierig wird vor allem, die tatsächliche Aufnahme der geschäftlichen Aktivitäten genehmigt zu bekommen. Um dies zu erreichen, musste er mit vier verschiedenen Regierungsinstanzen verhandeln, der Stadtverwaltung, dem Bezirksrat in Cadiz, der Regionalregierung von Andalusien und der Zentralregierung. Abgesehen vom eigentlichen Gründungskapital von einer halben Million Euro, musste er 10.000 Euro allein für Genehmigungen und Hunderte von Formalitäten aufwenden und hatte es mit insgesamt 30 verschiedenen Beamten aus elf Abteilungen zu tun.

Unter anderem wurden 1.300 Euro für eine Lärmstudie fällig, obwohl das Geschäft von Ramón Iglesias weder nennenswerten Lärm produziert noch Nachbarn hat, die belästigt werden könnten. Knapp 500 Euro wurden fällig für eine Genehmigung, die überhaupt nicht nötig war, wie die ausstellende Behörde selbst hinterher mitteilte. Ein Hühnerstall mit neun Tieren wurde ebenfalls mit großen bürokratischen Hürden bedacht. Weitere Schildbürgerstreiche waren ein Zertifikat, dass keine archäologischen Arbeiten nötig seien, als tatsächlich auf der Baustelle gegraben wurde, jedoch sehr wohl, als Arbeiten ohne Erdbewegungen anstanden sowie ein Bericht zu einigen normalen Außenlampen bezüglich des Schutzes der Qualität des Nachthimmels. Ein simpler Komposthaufen, ganz im Sinne der ökologischen Ausrichtung des jungen Unternehmens eingeplant, scheiterte an der Düngemittelverordnung, der er angeblich unterliegen sollte.

Auch der Unternehmerverband von Andalusien bestätigt, dass Firmengründungen günstigstenfalls tatsächlich innerhalb eines Tages zu bewerkstelligen seien, der Beginn der eigentlichen Aktivität jedoch könne durch Formalitäten, die auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene gefordert würden, um Jahre verzögert werden.

Ironisch rät Iglesias den Behörden, nur keine bürokratischen Vereinfachungen mehr zu versuchen, weil diese nur dazu führen würden, dass es noch einen Schalter mehr gäbe, zu dem man hin müsse. Ernster erklärt er, dass er ja genug finanzielle und professionelle Ressourcen gehabt hätte, um diesen Hürdenlauf durchzuhalten, ein Arbeitsloser dagegen würde unter diesen Umständen niemals eine kleine Weinproduktion starten können. Die Überregulierung und der Mangel an gesundem Menschenverstand bereite den Boden für Korruption und Schwarzarbeit.




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