Bringen Vermögensverwalter Kontinuität und Loyalität?


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

Banken und unabhängige Vermögensverwalter bestimmen das Vermögensverwaltungsgeschäft. Die Banken nutzen ihre Größe, um Markenbildung zu betreiben. Sie verkaufen einen „Brand“. Ihr Personal hat kein besonderes Treueverhältnis zum Kunden.

Der Kunde ist wie bei jedem Unternehmen dazu da, Umsatzvorgaben zu erreichen und die Gewinne der Bank zu steigern. Die ambitionierten mittelfristigen Ziele einzelner Institute, welche zum Teil auf starken Margensteigerungen basieren, werden im Endeffekt die Performance für den Kunden schmälern.

Auch der freie Vermögensverwalter muss sein Geld verdienen. Er lebt jedoch viel mehr von der persönlichen Beziehung. Für ihn ist der zufriedene Kunde die einzige Gewähr für einen treuen Kunden. Die verwendeten Produkte versteht der Vermögensverwalter selbst und es besteht nicht die Gefahr, dass ein Produktspezialist hinzukommen muss, um eine Depotposition zu erklären. Für den Vermögensverwalter bleibt sein Geschäft immer ein persönliches Geschäft. Allerdings beweist sich auch beim Vermögensverwalter die Loyalität erst mit der Zeit. Darum sind vor einer Zusammenarbeit von dem Kunden folgende fünf Punkte immer ausführlich zu klären:

1. Eine verständliche und definierte Anlagephilosophie und -strategie

Orientiert sich der Verwalter an klaren Überzeugungen und Werten und hat er vor allem eine nachvollziehbare Anlagestrategie? Dies ist der rote Faden für Disziplin, Kontinuität und Erfolg des Anlageprozesses. Ist er in der Lage mit seiner Anlagephilosophie ein für Sie passendes Portfolio zu konstruieren? Wie bei einem Haus braucht auch das Portfolio ein stabiles Fundament, starke Mauern und ein solides Dach. Sollten dann durch einen Sturm ein paar Dachziegel herunterfallen, macht das nichts. Der Verwalter muss mit seiner Anlagestrategie vor allem zwei Aufgaben lösen: Wie lange kann der Kunde das Kapital entbehren (Anlagehorizont)? Und wie stark darf der Wert des Vermögens maximal schwanken (Risikotoleranz)? Die Antworten auf diese beiden Fragen führen zur Strategie, also zur angemessenen Gewichtung der Anlagekategorien Aktien und festverzinsliche Wertpapiere in Prozent des Gesamtvermögens.

2. Eine dem Auftrag entsprechende Performance

Kann der Verwalter in der Vergangenheit angemessene Ergebnisse in der Vermögensverwaltung vorweisen? Sind mit seiner Strategie die von Ihnen definierten Anlageziele über einen von Ihnen bestimmten Anlagehorizont zu erreichen?

3. Diszipliniertes Portfoliomanagement

Hat der Vermögensverwalter auch in vergangenen schwierigen Zeiten seine Philosophie konsequent umgesetzt? Es führen zwar viele Wege nach Rom, jedoch nur, wenn man konsequent auf seinem Weg bleibt. Prüfen Sie daher auch, ob der Vermögensverwalter seine Strategie auch in für ihn schlechten Zeiten konsequent umgesetzt hat.

4. Kompetenz

Überprüfen Sie anhand des Lebenslaufes und der persönlichen Gespräche, ob der Verwalter den fachlichen und sozialen Kompetenzen, die für diese Tätigkeit notwendig sind, entspricht. Denken Sie dabei wie ein Unternehmer, der einen Mitarbeiter für eine verantwortungsvolle Position sucht. Stellen Sie die Frage: „Was qualifiziert Sie, mein Geld zu verwalten?“

5. Transparenz

Bestehen Sie immer auf Transparenz. Ist der Vermögensreport des Verwalters und der Depotbank so aussagekräftig, dass Sie jederzeit alle Positionen und auch die damit verbundenen Kosten erfassen können? Erhalten Sie den Report zur Kontrolle unabhängig von Verwalter und Depotbank? Ist die Honorarbasis transparent? Sollte der Verwalter gemäß Vertrag nicht alle an ihn gezahlten Provisionen an Sie weitergeben, so sollten Sie zumindest einmal jährlich eine genaue Aufstellung der geleisteten Zahlungen erhalten.

Lesen Sie dazu auch im Internet : Ein Beitrag über den Druck auf Berater in Banken: