Brandstiftung in Serie


Die Feuerwehr hatte nicht genug Einsatzkräfte, um alle Brand­herde zu bekämpfen. Foto: EFE

Über 200 Brandherde überforderten die Einsatzkräfte. Regionalpräsident Feijóo spricht von Terrorismus.

Madrid – Verheerende Waldbrände haben Mitte Oktober weite Landstriche in Galicien und Asturien verwüstet. In Galicien gab es über 200 einzelne Brandherde und in Asturien waren es fast hundert. Offizielle Stellen gehen davon aus, dass ein Großteil davon durch Brand­stiftung zustande kam.

Die Welle der Feuer verursachte zeitweise ein totales Chaos, sodass sogar die Regionalregierung selbst einräumt, zwölf Stunden lang überhaupt keine Kontrolle mehr über die Lage gehabt zu haben.

Die Brandbekämpfungseinheiten waren der hohen Zahl der Feuerfronten nicht gewachsen und so kam es, dass sich die Brände vielerorts ungehindert ausbreiteten und verschiedene Dörfer, die vom Feuer bedroht wurden, keine Hilfe durch die Feuerwehr erhielten. Außerdem wurden zahlreiche Schutzgebiete, wie Muniellos, der größte verbliebene Eichenwald Euro­pas, und die Lebensräume der Braunbären, geschädigt.

Dorfbewohner beobachten besorgt, wie sich das Feuer auf ihre Häusern zubewegt. Foto: EFE

Als wären die Folgen der Waldbrände nicht schwerwiegend genug, zieht der Regen, der mancherorts die Löscharbeiten erleichterte, weitere Schä­­den nach sich. Da sich die Waldbrandserie so ungewöhnlich spät im Jahr ereignet hat, ist nun mit herbstlichen Regenfällen zu rechnen, die dort, wo die schützende Vegetation verbrannt ist dazu führen, dass Erde fortgeschwemmt wird. Zudem wird Asche in die Flüsse gespült, welche das Wasser vergiftet und  Lebensräume in den Küstengewässern bedecken und abtöten kann.

Brand-Terrorismus

Regionalpräsident, Alberto Núñez Feijóo, erklärte angesichts der zahlreichen Brandstiftungen Galicien kämpfe „gegen Unmögliches“, den „Brand-Terrorismus“ an. Seine Regierung weist eigenes Versagen durch mangelnde Vorsorgemaßnahmen von sich. Die Opposition jedoch und eine Reihe von Umweltschutzorganisationen sehen in einer ineffizienten Forstpolitik der galicischen Regie­- rung einen weiteren Grund für die unkontrollierte Ausbreitung der Feuer.

Eine halbe Woche nachdem es gelungen war, die Feuersbrünste unter Kontrolle zu bringen, gingen in der galicischen Hauptstadt Santiago de Compostela Tausende Bürger wegen der Waldbrände auf die Straße und skandierten „Lumes nunca máis“ (Nie wieder Flammen). In der Nachbargemeinde hatte die Brandserie 35.000 Hektar verbrannt und vier Menschen das Leben gekostet.

Vielerorts bietet sich ein Bild der Zerstörung. Foto: EFE

Auch viele der Demonstranten sahen in dem von Regionalpräsident Feijóo postulierten „Brand-Terrorismus“ nicht die ausschließliche Ursache für das Ausmaß der Katastrophe. Sie kritisierten die verfehlte Forstpolitik und forderten sogar den Rücktritt von Präsident Feijóo wegen „Inkompetenz“.

Staatsanwalt sieht keine Hinweise auf Terrorismus

Einen Tag später verwarf der galicische Umwelt-Staatsanwalt Álvaro García die Theorie vom „Brand-Terrorismus“ und organisierten Banden, welche die politisch Verantwortlichen bemüht hatten. Man habe keine Anhaltspunkte, dass eine Organisation hinter der Brandstiftung stecke. Mit dem Beweismaterial das vorliege, sei keine Verbindung zwischen den verschiedenen Waldbränden herzustellen.

Der einzige Verdächtige, der bisher festgenommen wurde, ist ein Mann, der beim Würstchen grillen fahrlässig einen Brand auslöste.




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