Bischöfe rufen zum Kampf gegen Bürgerkunde-Unterricht auf


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Das Fach wird ab kommendem Schuljahr Pflicht für Spaniens Schüler

Lange Zeit war sich die spanische Bischofskonferenz nicht ganz einig, wie sie angesichts des neuen Schulfachs, das ab kommendem Schuljahr als Pflichtfach an spanischen Schulen gelehrt wird, reagieren soll. Jetzt, nach den Regional- und Kommunalwahlen und kurz vor Beginn der Kampagne zu den Parlamentswahlen, die im Frühjahr kommenden Jahres anstehen, haben sich die Bischöfe geeinigt und besagtem Schulfach, einer Art Bürgerkunde, die im Rahmen eines neuen Bildungsgesetzes 2006 verabschiedet wurde, den totalen Krieg erklärt.

Madrid – Stein des Anstoßes ist ein Fach, das den spanischen Namen Educación para la ciudadanía trägt und als Pflichtfach eingeführt wird. Es stellt sozusagen einen Gegenpol, im Grunde aber eine Ergänzung zu dem freiwilligen Religionsunterricht dar. In dem Fach sollen unter anderem Themen wie der Respekt vor der Völkervielfalt, der Geschlechtergleichheit, der Vielfältigkeit der heutigen Familienmodelle sowie die Abwehr des Rassismus sowie des Fremden- und Schwulenhasses behandelt werden. Alles im Rahmen und unter Wahrung der spanischen Verfassung und der universellen Menschenrechtserklärung.

Angesichts dieser in der heutigen Zeit so unabdinglichen Wertevermittlung stellt sich unweigerlich die Frage, was genau die spanischen Kirchenväter derart an dem neuen Schulfach stört, das doch im Grunde darauf gründet, den Kindern einen der obersten Grundsätze der Bibel zu vermitteln „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“.

Ziel dieses Fachs sei die „Bildung eines moralischen Gewissens bei den Schülern“, monieren die Bischöfe nun. Der Staat übernehme dabei die Rolle des moralischen Erziehers und das stehe ihm nicht zu. Der Staat müsse neutral sein und niemand dürfe zu einer moralischen Erziehung gezwungen werden, die er nicht freiwillig gewählt hat. Das neue Schulfach stelle einen schweren Verstoß gegen das unübertragbare Recht der Eltern und der Schule dar, in Zusammenarbeit die moralische Ausbildung für ihre Kinder zu entscheiden, so heißt es unter anderem in einer offiziellen Erklärung, die die spanische Bischofskonferenz am 21. Juni veröffentlichte. Aus all diesen Gründen fordern die Bischöfe die Eltern und Schulen auf, alle ihnen zu Verfügung stehenden legalen Mittel -– welche das sein sollen, darüber wird allerdings nichts mitgeteilt – anzuwenden, um sich gegen dieses Schulfach zu wehren und „die Gewissens- und Bildungsfreiheit zu verteidigen“. Im Notfall solle sogar auf die Verweigerung aus Gewissensgründen zurückgegriffen werden.

Kein Tauziehen möglich

Die Antwort der spanischen Regierung auf die Kriegserklärung der Bischöfe war jedoch unmissverständlich. Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega stellte dem Ansinnen der Bischöfe entgegen, dass für die Regierung diesbezüglich kein „Tauziehen“ in Frage komme. „Bei der Erfüllung eines Gesetzes gibt es keine Möglichkeit der Debatte“, meinte sie wörtlich. „Niemand darf aus Gewissensgründen die Teilnahme an dem Pflichtfach Bürgerkunde verweigern, da es in einem Gesetz vorgesehen ist, genauso wenig kann der Mathematikunterricht verweigert werden. In einem Rechtsstaat gilt das Gesetz für alle, niemand darf dagegen verstoßen, es nicht erfüllen oder sich gar verweigern. Niemand. Es gibt keine Ausnahmen und darf sie auch nicht geben.“

Die spanische Regierung hat bei der Erarbeitung des in dem Gesetz enthaltenen Schulfachs sämtliche betroffenen Gesellschaftsschichten und Institutionen zu Rate gezogen. Gemeinsam habe man sich auf den Lehrstoff geeinigt, der nichts beinhalte, das Eltern oder Gläubigen Angst machen müsse.

Die der katholischen Kirche nahestehende konservative Opposition hat übrigens bereits wissen lassen, dass sie das Gesetz, sollte sie im kommenden Jahr wieder an die Macht kommen, umgehend aus der Welt schaffen werde.




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