Bischöfe erklären Zustimmung zum Abtreibungsgesetz zur Todsünde


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Zahlreiche katholische Politiker wehren sich gegen die Drohung

Eine direkte Drohung des Sprechers der spanischen Bischofskonferenz, Juan Antonio Martínez Camino, hat bei den katholischen Abgeordneten Empörung ausgelöst.

Madrid – Martínez Camino, engster Vertrauter des Vorsitzenden Kardinal Antonio María Rouco, hatte angekündigt, dass Parlamentarier, die der Änderung des Abtreibungsgesetzes zustimmen, die noch vor Ende des Jahres im Kongress diskutiert wird, eine Todsünde begehen und die Heilige Kommunion nicht empfangen dürfen.

Diese Warnung war vor allem an die baskischen Abgeordneten gerichtet, denn die gesamte Fraktion der baskischen Nationalistenpartei PNV hatte sich entschlossen, dem Gesetzesentwurf zuzustimmen, nachdem die Regierung verschiedene Änderungsanträge berücksichtigt hatte. Unter den katholischen Abgeordneten aus dem Baskenland löste die Aussage von Martínez Camino große Entrüstung aus, die den PNV-Präsidenten Iñigo Urkullu zu einer besonders scharfen Ablehnung veranlass­te. „Wenn an mein Gewissen als gläubiger Christ appelliert wird, muss ich als praktizierender Katholik erklären, dass ich mich von dem, was Herr Martínez Camino gesagt hat, nicht angesprochen fühle. Ich frage mich, ob er alle Bischöfe und alle Priester der katholischen Kirche repräsentiert“, sagte er in einem Fernsehinterview. Urkullu ließ keinen Zweifel daran, dass seine Partei auf jeden Fall für das Gesetz stimmen werde. „Ich empfinde mich nicht als Sünder. Es handelt sich um die Verbesserung eines Gesetzes, das bereits seit 24 Jahren Gültigkeit hat“.

Doch auch sozialistische Abgeordnete katholischen Glaubens fühlen sich durch die Drohung brüskiert. Auch José Bono, Präsident des Parlaments und gläubiger Katholik, stellte sich gegen die Drohungen der Bischofskonferenz: „Viele Christen fühlen sich Teil einer Kirche, die eine Mutter ist und die der menschlichen Gesellschaft Liebe und Demut, Großherzigkeit und Vergebung zuteil werden lässt. Doch es gibt auch eine andere Art des Kirchenverständnisses: inquisitorisch, verurteilend und ausgrenzend, wo Ordnung und Vorschriften mehr Bedeutung haben als Brüderlichkeit.“ Ähnliche Kommentare gibt es von anderen Politikern, die sich als praktizierende Chris­ten verstehen.

Die Abgeordneten der  konservativen Partido Popular werden auf jeden Fall gegen die Gesetzesänderung stimmen. Der gemäßigte Sektor möchte allerdings verhindern, dass die Partei mit dem konservativen Flügel der katholischen Kirche in Verbindung gebracht wird. Das ist auch der Grund, aus dem der katholische PP-Chef Mariano Rajoy denProtestkundgebungen ferngeblieben ist, zu denen die Kirche im Oktober aufgerufen hatte. In der ersten Reihe mit dabei war jedoch sein Vorgänger, Expräsident José Maria Aznar, in dessen Amtszeit mehr als 500.000 legale Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt wurden.




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