Beerdigung nach 77 Jahren


Ascención Mendieta bei den langwierigen Exhumierungsarbeiten auf dem Friedhof: Die Freude über den Erfolg der zweiten Grabung ist ihr deutlich anzusehen. Foto: memoriahistorica.org

Nach jahrelangen Kämpfen konnte Ascención Mendieta ihrem Vater endlich ein würdiges Begräbnis bereiten

Madrid – Ascención Mendieta hat ihren Vater endlich angemessen auf dem Almudena-Friedhof in Madrid bestatten können, am ersten Sonntag im Juli 2017, über 77 Jahre nach seiner Erschießung durch die franquistischen Unterdrücker.

Hier ruhten die Gebeine des Gewerkschafters Timoteo Mendieta und eines Schicksalsgenossen, anonym, lieblos und hastig verscharrt, 77 Jahre lang. Foto: memoriahistorica.org

Die 91-jährige Frau hat fast ihr ganzes Leben damit zugebracht, für die Bergung der sterblichen Überreste von Timoteo Mendieta zu kämpfen, der am 15. November 1939 erschossen und in einem Massengrab auf dem Friedhof Guadalajara verscharrt wurde. Vor einem Monat nun kam endlich die gute Nachricht, dass ihr Vater gefunden worden war. Die Exhumierung wurde durch den Verein für geschichtliche Aufarbeitung (Asociación para la Recuperación de la Memoria Histórica, ARMH) auf Anordnung der argentinischen Justiz durchgeführt.

Zur Beerdigung zierte den Sarg von Timoteo Mendieta die Flagge der Zweiten Spanischen Republik in rot, gelb und purpur, und die in großer Zahl erschienenen Trauergäste empfingen seine Tochter mit Applaus. Ascención Mendieta war sichtlich ergriffen. In der Hand hielt sie drei Blumen, ebenfalls in den Farben der Republik.

Ascención ist Teil einer Gruppe Verwandter von Opfern jener Verbrechen, die während des Spanischen Bürgerkrieges und der Diktatur Francisco Francos (1939-75) begangen wurden. Weil es in Spanien keine Hilfe vonseiten des Staates für die Auffindung und Exhumierung der Opfer gab, ja sogar im Namen eines allumfassenden Amnestiegesetzes Steine in den Weg gelegt wurden, hatte die Gruppe sich im Jahr 2010 auf das Weltrechtsprinzip berufen und Klage beim Bundesgericht in Argentinien eingereicht. Die Tochter von Timoteo Mendieta ist die erste aus dieser Klägergruppe, die nun die sterblichen Reste eines Verwandten bergen konnte. Noch mit 88 Jahren hatte sie eine Reise nach Argentinien auf sich genommen, um die Hilfe der Richterin María Romilda Servini zu erbitten.

Getötet im Alter von 41 Jahren

Timoteo Mendieta war Präsident der Gewerkschaft UGT in seinem Dorf Sacedón. Als er getötet wurde war er 41 Jahre alt und hatte sieben Kinder. Die Tochter Ascención war damals 13 Jahre alt. Ihr Kampf um ein richtiges Grab für ihren Vater dauerte bis zu ihrem 91. Lebensjahr. Möglich wurde dies aufgrund eines Urteils vom Januar 2016 aus Argentinien und einer weiteren Mahnung der Richterin Servini, damit die Suche auch in 2017 fortgesetzt werden konnte.

Ascención war bei den langwierigen Grabungen auf dem Friedhof stets anwesend. Der erste Versuch einer Exhumierung schlug fehl und brachte ihr eine furchtbare Enttäuschung. Erst eine zweite Grabung an anderer Stelle führte zum Erfolg. Die Exhumierung, die sich drei Wochen lang hinzog, musste ohne öffentliche Unterstützung bewerkstelligt werden, weil die Regierung Rajoy alle Haushaltsposten, welche im Gesetz für die geschichtliche Aufarbeitung vorgesehen sind, gestrichen hat. So musste die ARMH die Kosten allein aus Spenden und mit Freiwilligenarbeit bestreiten.

Das staatliche Fernsehen TVE berichtete nicht über die späte Bestattung des ermordeten Gewerkschafters, obwohl es sich dabei um einen bedeutenden Akt geschichtlicher Aufarbeitung des während des Bürgerkrieges und der Diktatur begangenen Unrechts handelt.




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