Basken-Chef bittet ETA-Opfer um Verzeihung


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Ibarretxe: „Ein bedeutender Akt für die jüngste Geschichte des Baskenlandes“

Der baskische Regierungschef Juan José Ibarretxe hat einen bislang einmaligen Schritt in Richtung Frieden in der terrorgebeutelten autonomen Region gemacht. Vor rund 300 Familienangehörigen von 140 ETA-Mordopfern und Überlebenden von Anschlägen der baskischen Terroristen hat der Lehendakari Ende April in Bilbao öffentlich um „Verzeihung“ gebeten.

Bilbao – Es handelte sich bei der Veranstaltung, die der Basken-Chef als „bedeutenden Akt für die jüngste Geschichte des Baskenlandes“ bezeichnete, um die erste dieser Art, die in der krisengebeutelten Region ausschließlich den ETA-Opfern gewidmet ist und eine unmissverständliche Abwendung der baskischen Institutionen vom Terror darstellt. Nach Worten Ibarretxes soll diese Gedenkveranstaltung auf institutioneller Ebene zur alljährlichen Tradition im Baskenland werden. Eine Initiative, die, abgesehen von der PP und der baskischen EHAK, von allen im Regionalparlament vertretenen Parteien sowie den meisten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Organisationen der Region unterstützt wird.

Dieser Tag, so betonte Ibarretxe, stelle die „feierliche und von Herzen kommende Anerkennung der Begleichung einer Schuld dar“. In diesem Zusammenhang gab der Lehendakari auch zu, dass diese Veranstaltung viel zu spät komme. „Wir haben als Gesellschaft vor den gegebenen Umständen versagt“, meinte er wörtlich und fügte hinzu, „es ist jedoch nie zu spät, um Verzeihung zu erbitten und ein kollektives `Es tut uns leid´ auszusprechen.“ Den ETA-Opfern versicherte er, dass ihre Geschichte und ihr Leid einen festen Platz im Gedächtnis der Institutionen und der Gesellschaft haben werde. „Wir werden dafür sorgen, dass eure Geschichte für immer in unserem Bewusstsein bleibt.“ Dies sei das beste Mittel für die Entziehung jeglicher Rechtfertigung der Gewalt.

Die anwesenden ETA-Opfer und Familienangehörigen waren während eines Großteils der Veranstaltung tief bewegt. Ein Sprecher fasste später die allgemeine Stimmung der Teilnehmer zusammen: „Endlich existieren wir. Vom moralischen Standpunkt aus war dieser Akt sehr wichtig für uns, doch es gibt noch viel zu tun.“ Noch bis vor kurzem war eine derartige Veranstaltung im Baskenland undenkbar.




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