Bankräuber erschoss eine Polizistin


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Nach dem Tod der Polizeibeamtin Vanessa Lage Carreira

Bei einem Raubüberfall auf eine Bank in der Hafenstadt Vigo an der Westküste Galiciens sind eine Polizistin und der Bankräuber selbst getötet worden. Ein weiterer Polizist und eine Geisel wurden verletzt.

Madrid/Vigo – Am frühen Nachmittag des 27. November sollte die Filiale der Abanca in der Calle Doutor Carracido 47 gerade schließen, als sich ein Mann hineindrängte, der mit einer weißen Windel und einer blauen Mütze maskiert war. Er bedrohte die vier Bankangestellten mit einer Pistole und verlangte Geld. Dann nahm er die stellvertretende Geschäftsführerin in den Schwitzkasten und benutzte sie als Schutzschild für seine Flucht. Draußen erwartete ihn schon ein Streifenwagen mit vier Polizeibeamten, die ihn aufforderten, stehen zu bleiben. Der Bankräuber gab daraufhin etwa ein Dutzend Schüsse auf die Polizisten ab, bis sein Magazin leer war. Die Polizisten erwiderten das Feuer. Nach dem Schusswechsel lagen der Schütze und eine Polizistin am Boden. Ersterer starb bei dem Schusswechsel, die 36-jährige Polizistin Vanessa Lage Carreira wurde zunächst in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht, wo sie ebenfalls ihren Verletzungen erlag.

Ihr 41-jähriger Kollege konnte den Angreifer zwar stoppen, wurde jedoch selbst fünffach getroffen und liegt schwerverletzt mit einem Projektil in der Lunge im Krankenhaus. Auch die Geisel erlitt eine Schussverletzung am Arm. Sie befindet sich nicht in Lebensgefahr. Bei dem Bankräuber handelt es sich um den 50-jährigen Enrique Lago Fariñas, der aus den Achtzigerjahren mehrfach wegen Raubes vorbestraft ist. Die Polizisten trugen bei ihrem Einsatz keine kugelsicheren Westen.

Eine Schutzweste für jeden Polizisten

Nach dem Tod von Vanessa Lage Carreira, werden nun die Forderungen laut, dass jedem Polizisten eine hochwertige, gut sitzende Schutzweste zur Verfügung stehen muss. Javier Estévez, der Sprecher der größten Polizeigewerkschaft SUP, weist darauf hin, dass die kugelsichere Weste ein Teil der grundlegenden Sicherheitsausstattung eines jeden Polizisten darstellt, und bemängelt, dass jeder Polizist nach der Vereidigung seine Dienstwaffe und Handschellen ausgehändigt bekommt, aber keine Schutzweste, die ebenfalls ein Arbeitsmittel sei.

Die Generaldirektion der Polizei ist seit 2012 dabei, alle Polizeieinheiten des Landes mit kugelsicheren Westen auszustatten. Bis 2015 sollen es 20.500 sein. Doch es ist unklar, in welchen Einheiten und nach welchen Gesichtspunkten die Verteilung durchgeführt wird.

Für die Gewerkschaft sind das leere Versprechungen. Nach ihren Berechnungen verfügen bisher nur 30% aller Polizisten der Nationalpolizei über kugelsicher Westen. Die über Jahre verteilte Beschaffung der Westen erfordert es, Zuteilungskriterien, wie das Dienstalter oder die Besoldungsgruppe, aufzustellen, die jedem Kommissariat selbst überlassen bleiben und undurchschaubar sind.

Oft kommen die Westen nicht vorrangig bei jenen an, welche am ehesten in gefährliche Einsätze gehen. In einigen Dienststellen werden die Schutzwesten gar nicht verteilt, man wartet, bis genügend Westen für alle da sind, um böses Blut wegen der Ungerechtigkeit der Vergabe zu vermeiden. Genau dies war der Fall in der Dienststelle von Francisco Enrique Díaz Jiménez, der im Mai in Málaga von einem deutschen Landstreicher erstochen wurde. Er trug keine Weste, weil nicht genügend für alle vorhanden waren, und die wenigen unter Verschluss gehalten wurden.

Viele Polizisten kaufen sich selbst eine kugelsichere Weste. Die Gewerkschaft SUP schätzt, dass etwa ein Drittel der Polizeibeamten ihre Westen selbst bezahlt. Je nach Qualität kosten diese 350 bis 400 Euro, gemessen an den Gehältern der Polizisten ein stolzer Betrag. Zudem gibt es je nach Preis entscheidende Unterschiede. Die Günstigsten sind aus weniger gutem Material. Die Teureren sind sicherer und haben zudem eine bessere Passform, die mehr Bewegungsfreiheit erlaubt, was im Einsatz ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor ist. Die SUP bemängelt zudem, dass es nicht nur zu wenige Westen gibt, sondern dass diese auch nicht ersetzt werden, wenn sie ihre Lebensdauer von etwa 10 Jahren überschritten haben.




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