Autobahnen für die USA


© Ferrovial

Spanische Baukonzerne bauen Infrastrukturprojekte in Übersee

Die spanischen Baukonzerne Ferrovial, ACS und OHL sind in den USA und Kanada gut im Geschäft. Sie bauen dort Autobahnen, Eisenbahnlinien, Brücken und Staudämme.

Madrid/Fort Worth – Eines dieser Projekte, eine Autobahn in Fort Worth, Texas, wurde dieser Tage durch den Präsidenten von Ferrovial, Rafael del Pino, eingeweiht. Viele weitere sollen folgen. Es winken Aufträge, deren Gesamtwert im zweistelligen Milliardenbereich liegt.

Beim Ausbau der US-amerikanischen Infrastruktur, vor allem der Landstraßen und Autobahnen, existiert ein Reformstau, der mit 1.000 Milliarden Euro beziffert wird. Ein interessanter Markt auch für die spanischen Bauriesen, in dem vor allem Ferrovial, ACS und OHL gut Fuß fassen konnten, doch auch Acciona und FCC machen Geschäfte in diesem Markt.

Begonnen haben die Geschäftsbeziehungen noch zu Zeiten des spanischen Baubooms, als die Konzerne auch im Heimatland noch genug Aufträge hatten und sich zum Zwecke der Diversifizierung des Geschäfts in amerikanische Baufirmen einkauften. Dieser Schritt hat sich nach dem Platzen der Immobilienblase als Rettungsanker erwiesen. Die hohe technische Qualität des spanischen Bauingenieurwesens und die Investitionen, die zu Zeiten der Immobilienblase möglich waren, haben die spanischen Unternehmen in Nordamerika auf Expansionskurs gebracht.

Ferrovial begann zunächst mit dem Autobahnbau in Kanada, besitzt mittlerweile das drittgrößte Bauunternehmen von Texas, expandiert in weitere US-Bundesstaaten und macht Milliardenumsätze mit Planung, Finanzierung, Bau und Instandhaltung zahlreicher Autobahnen, wie dem Chicago Skyway und der Indiana Toll Road. Das Operationsgebiet erstreckt sich über Texas, Illinois, Indiana, Virginia und North Carolina.

Mitbewerber ACS hat sich in New Jersey bei einem Tunnelbauspezialisten und Baufirmen in New York und Arizona eingekauft. Zu den aktuellen Projekten gehören ein Tunnel in Seattle für 1,3 Milliarden Dollar und ein Staudamm in Calaveras, Kalifornien, für 428 Millionen Dollar. Auch über die deutsche Hochtief, die 2007 von den Spaniern übernommen wurde, hat ACS durch deren Filiale Turner ein weiteres Standbein in den Vereinigten Staaten. Insgesamt setzt der Konzern dort 11 Milliarden Dollar um.

OHL hat sich für Investitionen im sonnigen Florida entschieden, wo die Gruppe mittlerweile der zweitgrößte Baukonzern des Bundesstaates ist und zu den wichtigsten im Südosten des Landes gehört. Im Jahr 2012 stellte sie das erste Straßenbahnprojekt einer spanischen Firma in den USA fertig, den AirportLink Miami. Zurzeit wird unter anderem an einem gewaltigen Autobahnkreuz mit vier Ebenen und 34 Brücken in Miami und an der U-Bahn von New York gebaut.

Dynamische Autobahngebühr

Das neu eingeweihte Autobahnteilstück in Dallas-Fort Worth ist die Erweiterung einer von chronischen Staus betroffenen Stadtautobahn um mehrere Fahrspuren. Die bisherigen Fahrbahnen wurden ebenfalls renoviert, und ihre Nutzung bleibt kostenlos, das Befahren der neuen Fahrspuren jedoch ist Maut-pflichtig. Der Preis der Maut ist jedoch flexibel, je nach Verkehrsaufkommen. Sensoren stellen die Verkehrsbedingungen auf den neuen Fahrbahnen fest, und der Preis kann im Fünf-Minuten-Takt angepasst werden. Die Autofahrer können auf Anzeigetafeln im Voraus den aktuellen Preis sehen und sich dann entscheiden, ob sie bezahlen oder auf der alten Straße gratis fahren wollen. Je dichter der Verkehr, um so teurer wird die Gebühr sein, sodass dann weniger Fahrer die neue Straße wählen und auf diese Weise dort Staus vermieden werden.




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