Auszug aus dem Tal der Gefallenen


Foto: EFE

Die Umbettung Francos ist beschlossen und soll vor Jahresende stattfinden

Madrid – Am 24. August hat die spanische Regierung eine Gesetzesverordnung verabschiedet, in welcher die Umbettung des Leichnams des spanischen Diktators Franco angeordnet wird. Ende des Jahres schon soll es so weit sein. Das Dekret räumt der Familie Francos eine kurze Frist ein, um zu entscheiden, ob sie sich selbst um die Exhumierung kümmern will, andernfalls entscheidet der Staat, wohin das Grab verlegt werden soll.

Seit dem Tode des „Caudillo“ im Jahr 1975 ruhen seine Gebeine im „Tal der Gefallenen“, im „Valle de los Caídos“ bei San Lorenzo de El Escorial, nordwestlich von Madrid. Das Monument entstand in 18 Jahren Bauzeit – eine 262 Meter lange und 45 Meter hohe, unterirdische Kathedrale, die in einen Berg hineingesprengt wurde, mit einem 150 Meter hohen Kreuz darauf, dessen Arme je 24 Meter lang sind. 33.383 Gefallene beider Bürgerkriegslager, deren sterbliche Überreste aus nahezu allen Landesteilen herbeigeholt wurden, sind dort beigesetzt. Eigentlich sollte es ein Symbol der nationalen Versöhnung werden. Doch seit der Beisetzung Francos hat es das Land eher gespalten als geeint, da sich viele nicht damit abfinden wollten, dass das Monument von jeher eher dem Ruhm des Diktators als dem Andenken an seine Opfer geweiht schien. Nach der Exhumierung soll, nach dem Willen der Regierung, aus dem Valle de los Caídos ein Museum der geschichtlichen Erinnerung und endlich tatsächlich eine Stätte der Versöhnung werden.

Darüber hinaus will Präsident Pedro Sánchez Schritt für Schritt Versprechen aus den Zeiten der Opposition einlösen, indem die Petitionen der Verbände der Opfer der Franco-Diktatur aufgegriffen und die Empfehlungen der UNO zum „Valle de los Caídos“, den Massengräbern sowie der Bildung einer Wahrheitskommission umgesetzt werden.

Wohin mit dem Grab?

Die Familie Francos wehrt sich und hat Regierungschef Pedro Sánchez per Burofax gewarnt, er mache sich stafbar, begehe Amtspflichtverletzung, Amtsanmaßung und Grabschändung, wenn er die Exhumierung weiterhin vorantreibe. Am Rande einer Pressekonferenz in Bogota, Kolumbien, hierzu befragt, zeigte sich Sánchez unbeeindruckt von den Vorwürfen.

Noch ist unklar, wohin der Sarg verbracht werden wird. In dieses Vakuum hinein schießen die Vermutungen ins Kraut und treiben hie und da seltsame Blüten. In der Geburtsstadt Fran­cos, in Ferrol im Norden Galiciens, sind die sterblichen Überreste des Diktators unerwünscht. Eine Familiengrabstätte, welche die Stadt Franco 1963 „schenkte“, wurde nun schnell wieder in Gemeindeeigentum zurückgeführt, um diese Möglichkeit auszuschließen.

Der kleine Ort Águeda in Salamanca andererseits hat sich schon im vergangenen Mai angeboten, die sterblichen Überreste Francos aufzunehmen. Das Dorf verdankt dem „Caudillo“ seine Gründung im Jahr 1954. Im Zuge der sogenannten Kolonisation baute das „Entwicklungsinstitut“ den Ort auf, und jeder der ehemals mittellosen, neuen Einwohner bekam damals ein Haus und vier Hektar Land geschenkt, weshalb auf einem alten Ortsschild auch noch immer „Águeda del Caudillo“ zu lesen steht und die Ortsbewohner noch immer eine gewisse Dankbarkeit verspüren. Zudem verspricht man sich einen gewissen, für den Ort förderlichen Tourismus davon.

Der Bürgermeister berichtet, dass er von vier Bauunternehmen das Angebot hat, kostenlos ein Mausoleum zu errichten, und zwei Bestattungsinstitute seien bereit, die Überführung, ebenfalls auf eigene Kosten, zu übernehmen.

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