Ausstoß von Treibhausgasen um 10% gestiegen


Das Kohlekraftwerk As Pontes gehörte im vergangenen Jahr zu den emissionsstärksten Anlagen Spaniens. Foto: José AntonIO Cartelle

Wegen der Trockenheit mussten die emissionsstarken Kohlekraftwerke mehr Strom liefern

Madrid – Der Ausstoß von Treibhausgasen der über 1.000 spanischen Unternehmen, am EU-Emissionshandel – einem der wichtigsten Instrumente der EU, um die Treibhausgasemissionen zu senken – beteiligt, sind im vergangenen Jahr um über 10% gestiegen. Auf diese Unternehmen, die sich der Stromerzeugung oder der Industrie widmen, sind 40% des gesamten Treibhausgasausstoßes des Landes zurückzuführen.

Die Zeitung El País, der Einblick in das entsprechende Register der EU-Kommission gewährt wurde, berichtete, dass Spanien unter den EU-Mitgliedsländern im vergangenen Jahr eine der stärksten Zunahmen bei den Treibhausgas-emissionen verzeichnete. Während in Ländern wie Deutschland und Großbritannien der Ausstoß der zum Treibhauseffekt beitragenden Gase abnahm, führten Portugal und Spanien das Ranking der Länder mit dem höchsten Anstieg im vergangenen Jahr an.

Die schlechte Nachricht kommt zu einem Zeitpunkt, in dem das Abgeordnetenhaus über das zukünftige „Gesetz über den Klimawandel und die Energiewende“ berät, welches noch dieses Jahr beschlossen werden und zum Abbau der Treibhausgasemissionen bedeutend beitragen soll.

Zu den Vorschlägen gehört die Verteuerung der Zertifikate, die ein Betreiber einer erfassten Anlage für jede Tonne emittiertes CO2 erwerben muss. Derzeit liegt der Preis bei 13 Euro. Die Experten sind sich einig, dass dieser Preis zu niedrig ist, um eine abschreckende Wirkung zu entfalten. Großbritannien beispielsweise hat einen Mindestpreis von 20 Euro pro Tonne CO2 durchgesetzt, mit der Folge, dass sich die Wirtschaft in Rekordzeit von der Kohle verabschiedet hat.

Die über 1.000 spanischen Unternehmen, die gezwungen sind, am EU-Emissionshandel teilzunehmen, registrierten 2017 einen Ausstoß von 136 Millionen Tonnen CO2. Wird der Flugverkehr hinzugezählt, beträgt der Ausstoß 141 Millionen Tonnen.

Marc Falguera, Direktor von Vertis Environmental, einem Unternehmen, das sich dem Emissionshandel widmet, erklärte: „Der Faktor, der am meisten zum Anstieg der Emissionen beigetragen hat, ist der energetische. Im vergangenen Jahr ist aufgrund der Trockenheit sehr wenig Elektrizität von den Wasserkraftwerken geliefert und stattdessen sehr viel Kohle verbrannt worden.“

Tatsächlich handelte es sich bei acht der zehn emissionsstärksten Anlagen um Kohlekraftwerke. Die 15 spanischen Kohlekraftwerke meldeten im vergangenen Jahr einen Ausstoß von 24 Millionen Tonnen CO2, was 34% des Ausstoßes der besagten, dem EU-Emissionshandel angehörenden, Unternehmen entspricht.

Bei den Kraftwerken Aboño (Asturien, EDP), As Pontes (A Coruña, Endesa) und Litoral (Almería, Endesa) handelt es sich um die emissionsstärksten Anlagen des vergangenen Jahres.

Parteien wie die PSOE und Podemos plädieren für eine stufenweise Schließung der Kohlekraftwerke bis Mitte des nächsten Jahrzehnts, doch das Energieministerium sperrt sich gegen den Vorschlag und beruft sich auf eine zu erwartende Verteuerung der Energie.

Die Trockenheit hat zu der Erhöhung der Treibhausgasemissionen beigetragen, aber eine bedeutende Rolle hat auch gespielt, dass Spanien seit 2012 den Umstieg auf Erneuerbare Energien kaum mehr vorantreibt.

Konzerne für den Wandel

Etwa 30 Konzerne und mittelgroße Unternehmen haben ein Manifest veröffentlicht, in dem sie auf den Beschluss des „Gesetzes über den Klimawandel und die Energiewende“ drängen. Darunter befinden sich elf börsennotierte Unternehmen: Abertis, Acciona, Bankia, BBVA, Endesa, Ferrovial, Iberdrola, Mapfre, Red Eléctrica de España, Siemens Gamesa und Telefónica. Auch Eulen, Ikea, OHL und NH haben sich dem Manifest angeschlossen.

Tatsächlich diskutieren die Parteien seit Monaten über den Inhalt und werden sich nicht einig. Für die Konzerne drängt die Zeit. Dabei geht es ihnen wohl weniger um den Umweltschutz und vielmehr um das Wissen über die gesetzlichen Bestimmungen der Zukunft, an die sie ihre Investitionen in neue Projekte, die üblicherweise Jahrzehnte im Voraus geplant werden, anpassen müssen. Kurzum: Die rechtliche Sicherheit ist notwendig, um Investoren interessieren zu können und um genau zu wissen, auf welches sprichwörtliche Pferd wann zu setzen ist. Die Konzerne der Stromerzeugung und des Transports, auf die 80% der Treibhausgasemissionen zurückzuführen sind, ziehen einen festen, konkreten Kalender des Ausstiegs von Kohle und Erdöl vor, um Milliardeninvestitionen in Erneuerbare Energien riskieren zu können.




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