Aufatmen und Trauer nach den verheerenden Waldbränden im nordspanischen Galicien


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77.000 Hektar Wald- und Buschland fielen den Flammen zum Opfer

Nach fast zweiwöchigem Kampf gegen über hundert Waldbrände im Nordwesten Spaniens konnten Mitte August endlich alle Feuer als unter Kontrolle gebracht vermeldet werden. Den Löschmannschaften kamen einsetzende Regenfälle zu Hilfe, die die letzten Brandherde zum Erlöschen bzw. unter Kontrolle brachten.

Santiago de Compostela – Doch das anfängliche Aufatmen bei Behörden und Bevölkerung wich schnell erneutem Schrecken. Denn die Bilanz der Feuersbrunst die tagelang in Galicien wütete, ist erschreckend.

Ein Bild der Zerstörung

Die von den Bränden betroffenen Landstriche bieten ein Bild der Verwüstung. Viele Waldgebiete wurden praktisch gänzlich zerstört. Die galicische Xunta bestätigte am 16. August nach einer ersten Bilanz, das Feuer habe innerhalb von nur 12 Tagen soviel Wald- und Buschland in Galicien vernichtet wie im gesamten vergangenen Jahr. Und das war schon enorm, denn 2005 war für Galicien das Jahr mit den schlimmsten Waldbränden seit 15 Jahren.

Um die 77.000 Hektar bzw. 3,8% des gesamten Waldgebiets Galiciens sollen nach vorläufigen Angaben der Regionalregierung den Flammen zum Opfer gefallen sein. Ein Sprecher wies in diesem Zusammenhang jedoch darauf hin, dass endgültige Daten erst nach der genauen Vermessung der zerstörten Gebiete vorgelegt werden können.

Doch die Angaben der Xunta dürften sich ziemlich der Wahrheit nähern, denn sie stimmen weitgehend mit den Daten der Europäischen Kommission überein, die nach der Auswertung von Satellitenbildern das verbrannte Gebiet in Galicien auf 86.232 Hektar festlegte.

Unverständlich übertrieben erscheint hingegen die Summe, zu der die oppositionelle Volkspartei (PP) in Galicien gekommen ist. Ihren Ermittlungen zufolge sollen 175.000 Hektar verbrannt sein.

Wie auch immer, das Ergebnis ist erschreckend. Nimmt man die Zahl der Xunta als Vorlage, bedeutet dies, dass das in nur 11 Tagen verbrannte Gebiet 43% der Fläche umfasst, die in ganz Spanien im vergangenen Jahr den Flammen zum Opfer gefallen ist.

Nicht minder erschreckend ist jedoch auch die Tatsache, dass ein Großteil der Feuer Ergebnis von Brandstiftung sein sollen. 30 Verdächtige wurden in diesem Zusammenhang bislang verhaftet, viele davon sitzen noch heute in Untersuchungshaft.

Das Profil der Täter reicht vom frustrierten Ex-Feuerwehrmann mittleren Alters über verantwortungslose, betrunkene Jugendliche bis hin zu zwei über 80-Jährige, die allem Anschein nach geistig gestört sind.

Die Ermittlungen der Guardia Civil konzentrieren sich nach Aussagen von Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba jedoch insbesondere auf die augenscheinliche „Strategie“, die hinter der Brandstiftung vieler der Brandherde gesteckt haben soll.

Demnach haben die Ermittler auch eine private Löschfirma sowie Bauunternehmen im Visier.




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