Auf der Suche nach Märtyrern des Bürgerkriegs


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Massengrab bei Toledo auf Wunsch der Kirche geöffnet

Wieder einmal geht es um die Öffnung eines Massengrabs. Diesmal in Camuñas bei Toledo.

Toledo – Unter Tage ist es Routinearbeit für den Gerichtsmediziner Francisco Etxeberria, der die Arbeiten leitet. Über Tage ist dieses Grab ein besonderer Fall, denn hinter den Exhumierungswünschen stehen diesmal keine Familienangehörigen, die ihre Toten in einem ordentlichen Grab bestattet wissen wollen, sondern das Bischofsamt von Toledo. Diesmal sind die Opfer keine Republikaner, sondern Priester und reiche Leute konservativer Ideologie. Im Bürgerkrieg wurde auf beiden Seiten nicht lange gefackelt.

Die betroffenen Familienangehörigen sind bestürzt. Von Mund zu Mund ist die Rede gegangen von tausenden Opfern, die auch als lebendige Fackeln in die Grube geworfen worden sein sollen.

Die Fachleute räumen mit diesen Grusellegenden auf. „Hier sind vielleicht 50 Menschen begraben. Und sie waren allesamt tot, als das Grab über ihnen zugeschaufelt wurde. Davon zeugen die Einschuss­löcher. Die meisten im Genick“, so Jorge Teulón vom Bischofsamt. „Die meisten Familienangehörigen haben kein großes Interesse an der Exhumierung. Es ist die Kirche, die Sicherheit haben will, ob hier neun Märtyrer des Bürgerkriegs verscharrt wurden, die seliggesprochen werden sollen.“ Die Vermutung scheint sich zu bestätigen. An einem der Opfer wurden Reste eines „langen schwarzen Gewands“, also einer Soutane, festgestellt.

Teulón hat dort bei der Grabstelle eine Messe für die Opfer gelesen. Ein Familienangehöriger von drei dort aufgefundenen Opfern hat ein Bettlaken für den improvisierte Altar mitgebracht: „Darin möchte ich einst beerdigt werden. Meinen Großvater haben sie ermordet, weil er Katholik war. Meinen Vater habe ich nur kennengelernt, weil Franco den Krieg gewonnen hat.“

70 Jahre sind seit Ende des Bürgerkriegs vergangen, und noch immer klaffen tiefe Wunden in der Volksseele. Teulón beginnt die Messe mit dem Worten: „Wir sind hier zusammengekommen, um von Frieden und Verständigung zu sprechen…“




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