Auf der Suche nach den richtigen Größen


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Spanien will einheitliche Kleidergrößen einführen

41% der Spanierinnen geben zu, bei der Kleidungssuche Probleme damit zu haben, die geeignete Größe zu finden. Grund dafür ist, dass jeder Fabrikant seine eigene Größenvorstellung hat. So kommt es, dass eine Frau an einem Tag Kleider in drei verschiedenen Größen kaufen muss, damit ihr die erstandenen Stücke auch wirklich passen.

Madrid – Um diesen eindeutigen Missstand aufzuheben, wurde vor genau einem Jahr im Auftrag des spanischen Gesundheitsministeriums damit begonnen, Frauen in ganz Spanien von Kopf bis Fuß zu vermessen. 10.415 Frauen im Alter zwischen 12 und 70 Jahren, um genau zu sein. Dadurch sollten Durchschnittswerte festgestellt werden, die künftig als Richtlinien für eine Vereinheitlichung der Kleidergrößen dienen sollen.

Inzwischen ist die anthropometrische Vermessung der Frauen abgeschlossen und das Gesundheitsministerium veröffentlichte erste Ergebnisse. So hat sich beispielsweise auch herausgestellt, dass 86,1% der Spanierinnen ein Verhältnis Statur-Gewicht haben, das innerhalb der Werte liegt, die als gesunder Rahmen angesehen werden. Konkret haben 56,2% einen Body-Mass-Index (BMI) – Körpergewicht dividiert durch das Quadrat der Körpergröße  –, der im normalen Bereich liegt. 24,9% sind leicht übergewichtig und 5% werden als leicht untergewichtig angesehen.

Erschreckend war in diesem Zusammenhang, dass 70% der Frauen, bei denen schweres Untergewicht festgestellt wurde, und 83% der Frauen mit leichtem Untergewicht, angaben, mit ihrem Körpergewicht zufrieden zu sein. Das wird als klares Anzeichen dafür angesehen, dass der immer schlankere Körper inzwischen in krankhaftem Maße als Idealbild empfunden wird, und zwar vor allem von jungen Mädchen.

Durchschnittswerte

Im Schnitt misst eine Spanierin nach dem Untersuchungsergebnis 1,62 cm, einen mehr, als noch vor zehn Jahren. Ihr Durchschnittsgewicht liegt bei 57 kg. Im Rahmen der anthropometrischen Vermessung wurde jedoch auch festgestellt, dass es nicht nur auf die Körpergröße und das Gewicht ankommt, sondern auch auf ihre Verteilung. Demnach wurden drei sogenannte Formtypen festgelegt, die das Gesundheitsministerium auf die Namen Diavolo (39% der Frauen), Glocke (25% der Frauen) und Zylinder (36% der Frauen) getauft hat. Auch diese drei verschiedenen Körperformen, die nicht zuletzt mit dem Alter der Frauen zu tun haben, soll die Textilindustrie künftig bei der Anfertigung und Festlegung ihrer Produkte beachten, so jedenfalls das Ziel des Gesundheitsministeriums.

Die heute in Spanien geltenden Kleidergrößen gründen sich auf Daten aus dem Jahr 1972 und haben nicht mehr viel mit den heute gegebenen Umständen zu tun.

Magermodels unerwünscht

Auch bei der diesjährigen Ausgabe der Madrider Modewoche Pasarela Cibeles mussten sich die Models vorher wiegen lassen. Wessen Body-Mass-Index unter 18 lag, erhielt Laufstegverbot. Angeblich waren davon in diesem Jahr nur drei Models betroffen. Diese Maßnahme, die 2006 eingeführt wurde, soll dazu beitragen, Krankheiten wie Magersucht und Bulimie vorzubeugen.




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