Auf der Suche nach dem verbotenen Schatz


Der Untergang eines Bootes voller Haschisch ruft Hunderte auf den Plan

Der Strand Santi Petri von Chiclana bei Cádiz füllt sich immer wieder mit Männern in Uniformen. Die wenigstens sind in Grün gekleidet, das sind die Beamten der Guardia Civil. Die übrigen tragen „sandfarben“ , wie der Strand von Chiclana.

Cádiz – Sie tragen Trainingsanzüge von heller Farbe. Sie alle suchen an dem Strand nach Drogen. An dieser Stelle war vor einigen Tagen ein Motorboot, das voll mit Haschisch beladen war, umgeschlagen und die Fracht gesunken.

Einige junge Männer warten nun auf ihre Chance. Zwei von ihnen haben zum wiederholten Mal die rund 20 Kilometer lange Strecke von ihrer Heimatstadt Conil den Strand entlang zurückgelegt. „Sie sollen uns doch in Ruhe lassen, wenn wir das mitnehmen, was wir hier finden, denn es wird sowieso verfaulen“. Erklärte einer von ihnen. Und sein Freund fügt hinzu, während er ruhig wie ein Fischer das Meer beobachtet: „Wir sind keine Delinquenten, wir fischen hier“, sagt er mit einem Blick auf die aufmerksamen Polizeibeamten.

Wie einem Bericht der Guardia Civil zu entnehmen ist, starteten drei Schnellboote am 29. November von Marokko aus Richtung Küstenzone Cádiz, mit 2.400 Kilo Haschisch an Bord. Als die Schmuggler bemerkten, dass die Guardia  Civil sie im Fokus hatte, änderten sie ihren Kurs. Eines der Boote konnte in der Nähe von San Fernando aufgebracht und die Ladung in Sicherheit gebracht werden. Die beiden anderen Boote setzten die Fahrt nach Santi Petri fort, wo eines von ihnen aufgrund des starken Seegangs umschlug und Dutzende von Paketen der heißen Fracht ins Meer fielen. Drei Männer wurden verhaftet, zwei weitere marokkanischer Nationalität ertranken bei der Aktion. Doch diese Tragödie wurde durch ein Ereignis überschattet, das kurz danach eintrat: Kaum hatte sich die Nachricht in Chiclana verbreitet, dass mehrere Hundert Kilo Haschisch auf dem Meer schwimmen, da füllte sich der Strand mit Menschen.

„Wir sind es seit vielen Jahren gewohnt, hier auf dem Strand Personen anzutreffen, die nach Drogen Ausschau halten, die beim Umladen vielleicht ins Meer gefallen sind. Aber eine derart große Menschenmenge haben wir noch nicht erlebt“, erklärte der Chef der Kommandantur. Während die Polizisten noch nach einem dritten ertrunkenen Drogenschmuggler suchten, konnten sie beobachten, wie Hunderte Personen den Strand bevölkerten. Einige trugen Angelzeug bei sich oder trugen Jogging-Kleidung, um nicht aufzufallen, andere versuchten nicht einmal, sich zu verstellen.

Die jungen Leute, die am Strand nach den Drogen suchen, haben kein Problem, mit den Medien zu sprechen. Sie sind der Meinung, dass sie nichts Unrechtes tun. „Wir haben nichts zu essen, und einige von uns sind drogensüchtig. Wir suchen hier nur nach Muscheln und anderen Schalentieren, und was aus dem Meer kommt, gehört demjenigen, der es findet“, behaupten sie mit Nachdruck.

Doch das Gesetz sagt etwas anderes. Wer verhaftet wird, der sieht sich einer Gefängnisstrafe von bis zu vier Jahren gegenüber, denn es handelt sich um ein Delikt gegen die Öffentliche Gesundheit. Und wer bereits eine Vorstrafe auf dem Konto hat, für den kann die Strafe noch höher ausfallen.

Bei der „Invasion“ von Chic­lana wurden bis zu siebzig Personen festgenommen. In der Mehrzahl junge Männer zwischen zwanzig und dreißig Jahren, doch auch einige Minderjährige sowie zwei Frauen waren dabei. Die meisten von ihnen stammen aus der Umgebung, doch einige waren aus Sevilla gekommen. Bei diesem Ansturm von Verhaftungen waren den Beamten die Handschellen ausgegangen, und im Gefängnis mussten spezielle Räumlichkeiten eingerichtet werden, um alle aufzunehmen. Nachdem alle verhört worden waren, kamen sie nach zwei Tagen wieder auf freien Fuß, und irgendwann wird ihnen der Prozess gemacht werden.

Der Sprecher des Antidrogen-Verbandes der Zone ist der Meinung, dass diese Verhaftungen nutzlos sind, und er verlangt, von einer Bestrafung abzusehen. „Es sind Menschen, die blind dort hinlaufen, die hoffnungslos und verzweifelt sind. Was sie brauchen, sind soziale und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, damit sie wieder eine Chance haben“.




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