Atomkraftwerk Garoña bleibt am Netz


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Ministerium hob den Schließungsbeschluss auf

Das Industrieministerium hat den vorletzten Schritt getan, um die Schließung des Atomkraftwerkes Santa María de Garoña abzublasen und die Laufzeit bis 2019 zu verlängern.

Madrid – Im offiziellen Staatsanzeiger wurde in der ersten Juli-Woche mitgeteilt, dass die Schließung des Meilers in 2013, wie von der sozialistischen Regierung beschlossen, ab sofort aufgehoben ist. Jetzt hat Garoña, das zu je 50% den Elektrizitätsgesellschaften Endesa und Iberdrola gehört, bis zum 6. September Frist, um die Lizenzverlängerung bis 2019 zu beantragen.

Der Rat für Nuklearsicherheit CSN hatte bereits vor drei Jahren mitgeteilt, dass er keinen Hinderungsgrund dafür sehe, dass das älteste spanische Atomkraftwerk bis 2019 am Netz bleibt, das bereits seit 1971 in Betrieb ist. Der schreckliche Atomunfall von Fukushima, dessen erster Reaktor mit dem von Garoña identisch ist, hat an den Plänen der PP-Regierung nichts geändert. Noch als die Partei sich in der Opposition befand, hatte sie sich für die Laufzeitverlängerung stark gemacht und diese Meinung auch bis jetzt nicht geändert.

Das Industrieministerium tritt den Kritikern mit dem Argument entgegen, dass sich der Strompreis erheblich verteuern werde, wenn Garoña stillgelegt wird. Dieser Begründung wird heftig widersprochen, denn die Produktion des Nuklearkraftwerks werde durch Gas ersetzt, und nach dem derzeitigen System der Preisgestaltung werden für alle Technologien die höchsten Preise angesetzt. Außerdem, so wird von der Regierung ins Feld geführt, werde der Bau von nuklearen Endlagern den Beginn der Demontage des Reaktors erheblich verzögern. Auch wird immer wieder auf die positiven Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung auf die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und die Steuereinnahmen hingewiesen, die insbesondere angesichts der schwierigen Wirtschaftslage große Bedeutung habe.

Mit Begeisterung ans Werk gehen

Der Direktor des Atomkraftwerks, José Ramón Torralbo, forderte in einem Rundschreiben seine Mitarbeiter auf, mit Begeisterung und Professionalität die Aufgabe in Angriff zu nehmen und zu demonstrieren, dass Santa María de Garoña es wert ist, weiter am Netz zu bleiben.

Investitionen von vielen Millionen werden erforderlich sein, um die Bedingungen zu erfüllen, welche der CSN zur Auflage gemacht hat – den Kontrollraum der Anlage komplett zu isolieren und viele Kilometer Kabel zu erneuern. Hinzu kommen jetzt noch die Sicherungsarbeiten, die verhindern sollen, dass sich ein Desaster wie in Fukushima ereignen kann.

Das Industrieministerium hat alle Einsprüche von Ökologenverbänden abgeschmettert. Greenpeace hat inzwischen bekannt gegeben, dass im Fall Garoña Vorschriften der Europakommission missachtet würden. Die hatte wiederholt angeordnet, Nuklearkraftwerke, die bereits amortisiert sind, dürften  keine überhöhten Kompensationszahlungen erhalten.




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