Asset-Allokation oder die Anlagestruktur, Teil 2


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

Viele wissenschaftliche Studien haben immer wieder bewiesen, dass Aktien die rentabelsten Anlagen sind. Darüber hinaus haben gut geführte Unternehmen die größten Krisen überlebt. Was man von Anleihen nicht behaupten kann.

Ich selbst habe für meinen einjährigen Enkel ein Depot mit 100 Prozent Aktien angelegt, und es interessiert mich überhaupt nicht, ob dieses gerade 50 Prozent an Wert verloren hat. Bei mir selbst bin ich vorsichtiger und das nur aus einem einzigen Grund: Ich bin älter.

Sind Sie frustriert von Ihrer Performance? Von Banken, die nur die eigenen Taschen füllen? Sind Sie unsicher, welche Anlagestrategie zu Ihrer Situation passt? Viele Anleger kapitulieren in einer solchen Situation und legen ihr Vermögen in Festgeld an oder bleiben in zweitklassigen Produkten investiert. Dabei sind die Grundschritte einer erfolgreichen Vermögensverwaltung so einfach. Zuerst wird das Vermögen in zwei Teile unterteilt. Der eine Teil – der Rententeil – sorgt unter normalen Bedingungen für Sicherheit und eine stabile Rendite. Der zweite Teil – der Aktienteil – bringt zwar Schwankungen in das Wertpapierdepot, sorgt aber vor allem auch für eine zusätzliche Wertsteigerung und Schutz vor dem Katastrophenrisiko.

Wie teilen Sie nun Ihr privates Vermögen, das für die Wertpapieranlage zur Verfügung steht, auf? Die wichtigste Plangröße ist Ihre eiserne Reserve – der Notgroschen. Sie gibt das Mindestvermögen an, das unter Berücksichtigung von Entnahmen und Kursverlusten immer vorhanden sein soll. Wichtig ist dabei auch die psychologische Komponente. Die eiserne Reserve sollte so hoch sein, dass es nicht allzu sehr schmerzt, wenn sich das Vermögen der unteren Grenze nähert. Ist man dort angelangt, führt das nämlich oft zu erratischen und meist falschen Entscheidungen. Auf der anderen Seite sollten Sie das Auffangnetz aber nicht zu hoch hängen, denn damit verkleinern Sie Ihre Rendite und Ihr Wachstumspotenzial. Ihre Kapitalaufteilung wird zu einem wichtigen Teil auch von den zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben beeinflusst. Je höher die Ausgaben sind und je näher sie liegen, umso vorsichtiger muss man sein. Umgekehrt heißt das: Ein Einnahmenüberschuss oder keine Ausgaben aus dem Vermögen erlauben Ihnen, ein höheres Risiko mit einem höheren Ertrag einzugehen. Deswegen hält mein Enkel (1 Jahr alt) 100 Prozent Aktien. Oft sind die Mittelzu- und -abflüsse schwer zu schätzen. Das macht aber nichts. Hier ist keine mathematische Genauigkeit gefragt, es müssen vor allem die Größenordnungen und Trends stimmen. Nicht berücksichtigt sind in diesem Beispielfall Immobilien, Lebensversicherungen und andere Anlagen.

Eine Strategie ist auf viele Jahre ausgerichtet und sollte daher immer eingehalten werden. Die Finanzmärkte kennen allerdings keine Planung und bewegen sich daher mit höchs­ter Präzision zur Überraschung aller Analysten immer wieder in die falsche Richtung oder zumindest in die Gegenrichtung der Prognose. Zinsentwicklungen und Aktienkurse sind schwer vorherzusagen. Schon die Trendrichtung erkennen die meisten Analysten nicht. Sehr oft schaden die Prognosen mehr als sie nutzen: Am 16. Oktober 1929 verkündete Wirtschaftsprofessor Irving Fisher: „Es sieht so aus, als ob die Aktien ein dauerhaftes Hochplateau erreicht hätten.“ Acht Tage später stürzten die Kurse ab und am 28. und 29. Oktober kam es zur Massenpanik. Professor Fisher schadete seine grandiose Fehlprognose übrigens nicht. Für seine Preis- und Kapitalmarkttheorien erntete der Vertreter der sogenannten neoklassischen Schule einigen Ruhm. Greifen Sie besser auf die Erfahrungen eines der ältesten Geschäfte der Welt zurück: der Forstwirtschaft. Jeder Förster weiß, dass er gegen Orkane machtlos ist, er muss aber immer damit rechnen und entsprechend Vorsorge treffen, damit der Wald auch Stürme überlebt.

Auch Kursbewegungen brin­gen die Proportionen und damit die Strategie Ihres Portfolios ständig von der geplanten Größenordnung ab. Bei Aufwärtsbewegungen ist das sehr schön, denn Ihr Wertpapierdepot wächst immer schnell. Dabei vergrößert sich Ihr Risiko aber auch ständig – der nächste Absturz kommt bestimmt. Ist der Absturz bei Aktien da, wird der Anteil der festverzinslichen Wertpapiere in Ihrem Portfolio zu groß, und damit wird letztendlich Ihre Rendite langfristig verringert. Sie können nicht hoffen, dass sich das Gleichgewicht Ihrer Wertpapieranlagen von selbst wieder einstellt. Das Zauberwort heißt Rebalancing. Davon mehr in der nächsten Ausgabe.

Mehr Informationen?

Haben Sie Interesse? – Sie können bei Herrn Robert Burlon unter der Telefon-Nr.: 922-57 54 96 Näheres erfahren.




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