Arbeitgeberverband will Fehlzeiten der Angestellten bestrafen


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Niedrige Fehlquote auf den Kanaren

José de la Cavada, zuständig für den Bereich Angestelltenverhältnisse innerhalb des Spanischen Arbeitgeberverbandes CEOE, ist immer für eine polemische Aussage gut.

Madrid – Aktuell hat er im Zuge der Präsentation des „Zweiten Adecco-Berichts über Fehlzeiten am Arbeitsplatz“ das Thema der Freistellung von Arbeitnehmern wegen des Todesfalls eines nahen Angehörigen aufs Tapet gebracht. Die vier freien Tage, die nach heutiger Gesetzeslage zugebilligt werden, wenn eine Übernachtung außerhalb nötig ist, sind ihm zu viel. Diese Regelung sei im Geiste der Franco-Gesetzgebung getroffen worden und stelle einen überzogenen Protektionismus dar, der in keiner Weise den tatsächlichen Bedürfnissen der Arbeitnehmer entspreche. Heutzutage sei das Reisen schneller geworden, und oft gehe es um Anfahrten von weniger als einer Stunde.

De la Cavada plädiert dafür, zur Bekämpfung der Fehlzeiten die Arbeitnehmerrechte den Erfordernissen der Unternehmensabläufe anzupassen, damit „Blaumacher“ keine gesetzlichen Grundlagen haben, hinter denen sie sich verstecken können. Er räumte zwar ein, dass die Krise einen Einfluss auf die Entwicklung der Fehlzeiten habe und der Krankenstand gesunken sei, wies jedoch darauf hin, dass diese für die Unternehmen Kosten in Höhe von 7,25 Milliarden Euro jährlich verursachen würden. Das seien 0,7% des Bruttoinlandsprodukts. Ebenso monierte er, dass die Seguridad Social die Krankschreibungen nicht gut genug kontrollieren würde. Deshalb schlägt er vor, dass Arbeitnehmer, die mehr als viermal pro Jahr fehlen, in den ersten zwei Krankheitswochen durch Abschläge bei der Lohnfortzahlung bestraft werden, wie dies auch in anderen europäischen Staaten üblich sei.

Nach dem Adecco-Bericht ist der Krankenstand spanienweit auf 4,3% gesunken. Am niedrigsten ist er in den Inselprovinzen. Auf den Balearen beträgt er 3,1% und auf den Kanaren 3,3%. Die meisten Fehltage leisten sich die Asturianer mit 5,2%.

Die Äußerungen de la Cavadas zum Sonderurlaub bei Todesfall eines nahen Angehörigen lösten in den sozialen Netzwerken und auch in der Presse einen Sturm der Entrüstung aus. Es fehle nur noch, zu sagen, man solle Sterbefälle auf das Wochenende legen, höhnte ein Journalist in seinem Kommentar. Bei seinem nächsten öffentlichen Auftritt entschuldigte sich de la Cavada dafür, mit seinen Äußerungen die Gefühle mancher Menschen verletzt zu haben, blieb aber dabei, dass die Regelung überarbeitet werden müsse.




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