Amputierten Arm im Müll entsorgt


© EFE

Unternehmer wollte Arbeitsunfall eines Illegalen verschleiern

Ein unglaublich menschenverachtendes Verhalten legte ein Unternehmer aus Gandía bei Valencia an den Tag, in dessen Bäckerei sich ein schwerer Arbeitsunfall ereignete. Wie erst jetzt bekannt wurde, geriet Franns Rilles, ein illegal bei ihm beschäftigter Immigrant aus Bolivien mit dem Arm in eine Knetmaschine. Dabei wurde ihm der linke Arm abgerissen.

Valencia – Der Sohn des Unternehmers packte den Verletzten in sein Auto um ihn in das nächste Krankenhaus zu bringen. Doch etwa 200 m vor der Einfahrt forderte er ihn auf, auszusteigen. Dabei schärfte er ihm ein, auf  keinen Fall Details über den Unfall preiszugeben und vor allem nicht, wo er sich ereignet hat. Während Franns Rilles im Krankenhaus versorgt wurde, tat man in der Bäckerei alles, um jegliche Spuren zu verwischen und entsorgte den abgerissenen Arm im Müll.

Der Arm sei in einem sehr schlechten Zustand gewesen, deshalb habe sein Sohn ihn in mehrere Plastiktüten packen lassen und in den Müllcontainer geworfen, sagte der Unternehmer später.

„Die Angestellten der Bäckerei arbeiteten zu Konditionen absoluter Ausbeutung“, erklärte ein Sprecher der Gewerkschaft Comisiones Obreras. „Franns Rilles arbeitete vollkommen illegal ohne Vertrag und ohne jeglichen Schutz 12 Stunden täglich für einen Lohn, der unter 700 € monatlich lag“. Der Gewerkschaftsverband war es auch, der den Fall vor Gericht brachte und bei der Arbeitsinspektion anzeigte.

Zunächst hatte der Verletzte versucht, die Anweisungen des Chefs zu befolgen und machte keine Angaben über den Unfallort. Doch er verwickelte sich in Widersprüche, so dass die Ärzte die Polizei alarmierten und der wirkliche Verlauf des Unfalls ans Licht kam. Während ein spezialisierter Chirurg angefordert wurde, versuchte die Polizei das abgerissene Glied zu finden. Später wurde diese Absicht verworfen, den Arm wieder einzupflanzen, weil er in einem sehr schlechten Zustand war.

Nach einer Woche auf der Intensivstation liegt der Verletzte nun in einem Krankenzimmer und kann mit den Medien reden.

 Der 33-jährige Franns Rilles stammt aus einem kleinen Dorf in der Nähe der bolivianischen Hauptstadt Santa Cruz. Im Dezember 2006 kam er zusammen mit seiner Schwester nach Spanien. Er arbeitete in Madrid auf dem Bau und später in Murcia in einem Sägewerk bis er schließlich in der Bäckerei landete – und immer nur als Illegaler. Zunächst verdiente er 900 € doch vor vier Monaten wurden allen Mitarbeitern die Löhne gekürzt. „Wegen der Krise“, hieß es. Seitdem liegt ihr Monatslohn unter 700 €.

„Das war dann auch nicht viel mehr, als ich in Bolivien als Taxifahrer verdient habe, bevor ich mein Land verließ“, stellte Franns enttäuscht fest.

„Ich hätte nie gedacht, dass sie mir so etwas antun könnten, denn trotz der schlechten Arbeitsbedingungen war das Verhältnis zu meinem Chef gut. Er sagte immer, ich sei der beste Bäcker den er je gehabt hat“. Welch schwacher Trost!




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