Am Ebro kracht’s


400 Blindgänger aus dem Bürgerkrieg lagern noch dort

„Im Krieg war’s schlimmer“, ist der lakonische Kommentar des alten Ramón Puig zu den krachenden Explosionen, die derzeit immer wieder die Gegend erschüttern, und gibt zu „Na ja, manchmal erschrecke ich schon.“

Tarragona – Der Bauer lebt ganz in der Nähe der Ebene zwischen Gandesa und Móra d’Ebre, in der bis zu zwei Meter tief rund 400 Blindgänger aus dem spanischen Bürgerkrieg geortet wurden. Sie gehen auf die berühmte Ebroschlacht 1938 zurück, die letzte Großoffensive der Republikaner gegen die Franco-Truppen, gegen deren durch die Legion Condor unterstützte Luftwaffe sie jedoch schlussendlich scheiterten.

Schon im Bürgerkrieg war das Gebiet von strategischer Bedeutung und ist es heute nicht weniger, allerdings steht es aufgrund seiner Lage heute im Blickpunkt der Wirtschaft. Hier soll ein 50.000 Hektar großes Industriegebiet entstehen.

Von den damals schätzungsweise pro Hektar abgeworfenen 5.000 spanischen, deutschen und italienischen Bomben sind einige nicht explodiert. Direkt nach dem Krieg haben diese Blindgänger zahlreiche Menschenleben gefordert, weil die Hunger leidende Bevölkerung der umliegenden Ortschaften das Metall der Bomben zu Schleuderpreisen verkaufte. Viele starben bei dem Versuch, eine gefundene Bombe zu entschärfen. Plötzlich hochgehende Bomben wurden auch vielen Bauern bei der Feldarbeit zum Verhängnis.

Heute sind es noch schätzungsweise 400 Blindgänger, die beseitigt werden müssen, um den Weg für das ehrgeizige Industrieprojekt freizumachen. Die Geschosse sind bereits durch Magnetsonden lokalisiert und werden jetzt Stück für Stück entschärft oder durch Sprengstoffexperten kon­­trolliert gezündet. Der mit 300.000 Euro dotierte Räumungsauftrag wurde an ein französisches Spezialunternehmen vergeben.

„Das ist eine hochgradig riskante Arbeit“, erklärt Projektleiter Francesc Xavier Vilaró. Wie es heißt, werden die Nach­wehen des Bürgerkriegs mit der Beseitigung der Bomben jedoch vemutlich noch nicht beendet sein. Wahrscheinlich wird man bei den Räumungsarbeiten später auch noch auf menschliche Überreste stoßen. Die sollen dann im nahegelegenen Memorial de les Camposines beigesetzt werden, einer Gedenk- und Friedhofstätte für nicht identifizierte Opfer der blutigsten Schlacht des spanischen Bürgerkriegs.




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