Alte Luftaufnahmen der US-Streitkräfte zeigen römisches Legionslager


Reste des Römerlagers in Villafranca, León, nahe dem Gipfel des As Penas de Parturexe, Aufnahmen (v.l.n.r) aus den Jahren 1957 (US-Erkennungsflüge), 1983 und 2010. Foto: UCO

Geländeerfassungsflüge aus dem Kalten Krieg verhalfen zur Entdeckung von Römerlagern aus dem 1. Jahrhundert vor Christus

Madrid – Der Kalte Krieg, der Konflikt zwischen den Westmächten unter Führung der USA und dem Ostblock unter Führung der Sowjetunion, hat in Spanien unerwartete positive Nebenwirkungen entfaltet. In den Jahren 1945/46 führten die amerikanischen Luftstreitkräfte die Operation „Casey Jones“ durch, mittels derer ein Gebiet von Island bis Nordafrika fotogrammetrisch erfasst wurde. Mithilfe solcher Bildmessungen können die räumliche Lage von Objekten und dreidimensionale Formen bestimmt werden. Die Operation wurde während des 2. Weltkrieges geplant, um das Vorrücken der Alliierten zu unterstützen, doch erst nach Kriegsende umgesetzt. In den Jahren 1956/57 wiederholte die Air Force die Operation und nahm weitere 60.000 Messbilder im Maßstab 1:33.000 auf.

Auf diesen Messbildern zeigten sich an der Grenze zwischen den autonomen Regionen Castilla y León und Galicien drei ungewöhnliche Geländeformationen, die zunächst niemand zu interpretieren wusste. Erst Jahrzehnte später entschieden sich Wissenschaftler der Universitäten Santiago de Compostela und Oviedo sowie des Wissenschaftlichen Instituts für kulturelles Erbe des CSIC, diese Messdaten mit neuen technologischen Verfahren zu kombinieren.

Der Erfolg war spektakulär: Es handelt sich um drei Militärlager der römischen Legionäre aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. Eines davon erstreckte sich über 11,6 Hektar und bot Raum für 6.000 Legionäre.

Die fotogrammetrischen Aufnahmen werden seit 2011 unter der Bezeichnung „Amerikanische Flüge“ im Geografischen Zentrum der spanischen Streitkräfte aufbewahrt. Sie stellen eine außergewöhnliche Quelle dar, um die landschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte in Spanien zu erfassen und um Strukturen, die unter der Erde versteckt sind, zu finden. In Kombination mit satellitengestützten Erkennungsverfahren konnten neue Methoden entwickelt werden, um die militärischen Stützpunkte der Römer auch in bewaldeten oder dicht bewachsenen Gebieten zu entdecken und zu studieren.

So konnten auch die bis dato unbekannten Römerlager auf einer Höhe von 1.000 bis 1.500 Metern in den Bergen des Bierzo lokalisiert werden. Die Wissenschaftler haben sie „A Cortiña dos Mouros/Campo do Circo“, „A Serra da Casiña“ und „As Penas de Perturexe“ genannt. Das kleinste der Lager bot Raum für etwa 1.600 Legionäre, das größte für 6.000 Soldaten. Sie wurden in den asturianisch-kantabrischen Kriegen (29-19 v. Chr.) gebaut. In den darauffolgenden Jahrzehnten erfuhr die dortige Landschaft große Veränderungen durch den Bau der Römerstraßen 19 und 20 zwischen León und Galicien.

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