Als Cruceiro de Roo mehr wissen wollte


Foto: Pixabay

Die hohe Radon-Konzentration wurde mit den Krebserkrankungen in Verbindung gebracht. Wegen der Verbreitung durch die Medien werden Gäste abgeschreckt und die Wirtschaft geschädigt

Á Coruña – Cruceiro de Roo ist ein kleines, malerisches Dorf in der Gemeinde Serra de Outes, Provinz À Coruña, Galicien. In der Nähe liegt der Broña-Strand. Früher gab es hier ein Kino, einen Tanzsaal, Bankfilialen und Frisörsalons. Heute bestehen nur noch wenige Geschäfte, darunter drei Gasthäuser. Die Einwohner fürchten, dass auch diese bald schließen müssen, nachdem die Medien im letzten Jahr verbreitet hatten, dass die Bürger von Cruceiro de Roo Radon-Messungen vorgenommen, hohe Werte festgestellt und die Krebserkrankungen im Ort auf die Verbreitung des Gases zurückgeführt hatten.

An der Hauptstraße von Cruceiro de Roo stehen 29 Wohnhäuser, die von 81 Bürgern bewohnt werden. 23 sind an Krebs erkrankt. Der Hausarzt des kleinen Ortes schlug vor Jahren Alarm, weil viele seiner Patienten an derselben schweren Krankheit litten. Die Suche nach der Ursache für die Blasen-, Darm-, Prostata-, Brust-, Lungen-, Leber- und Gehirntumore begann. Man untersuchte das Wasser, die Erde, das Gemüse, die Sägewerke und die Windkraftanlagen – ohne Ergebnis. Dann begannen die Bürger – an der öffentlichen Verwaltung vorbei – Radon-Messungen vorzunehmen. Seit 2015 wurden drei Studien durchgeführt. Die letzte ergab, dass bei 73% der 100 teilnehmenden Wohnhäuser (insgesamt gibt es in dem Dorf 170) die Radonkonzentration bei über 200 Bq/m³ liegt. Die Weltgesundheitsorganisation hat die maximal zulässige Konzentration bei 100 Bq/m³ als Zielwert festgelegt, die EU bei 300 Bq/m³. In 38 Gebäuden liegt die Konzentration zwischen 200 und 300 Bq/m³, in 21 Gebäuden bei zwischen 300 und 400 Bq/m³, in 12 Gebäuden bei zwischen 400 und 700 Bq/m³ und in 2 Gebäuden bei zwischen 1.000 und 1.200 Bq/m³. In den beiden letzteren Wohnhäusern ist jedoch niemand an Krebs erkrankt.

Im April letzten Jahres sickerte die Nachricht durch, dass die Einwohner von Cruceiro de Roo auf eigene Initiative nach der Ursache forschten, warum 28% von ihnen Krebs hatten. Die Presse kam und verbreitete die Nachricht. Woraufhin die Sommerurlauber anriefen und die Sicherheit ihres Aufenthaltes infrage stellten.

Die Angst der Bürger wuchs. Seit 2015 waren zehn von ihnen an Krebs gestorben, und es wuchsen die negativen Folgen der Meldungen über die hohe Radonkonzentration für die Dorfwirtschaft.

Juan Miguel Barros, Professor für Präventivmedizin und Öffentliches Gesundheitswesen der Universität von Santiago, führt die Landkarte des Radon-Laboratoriums, aus der hervorgeht, dass dieses radioaktive Element, das bei Zerfall von Uran und Thorium im Gestein und Erdreich gebildet wird, in Süd-Galicien präsent ist.

Im Dezember suchten Mitglieder des galicischen Gesundheitsdienstes Cruceiro de Roo auf, um die Einwohner zu beruhigen. Sie erklärten, im Dorf seien weniger Menschen an Krebs gestorben als im Rest der Provinz. Und: ausschlaggebender als die Radonkonzentration sei das zunehmende Alter.

Eine Einwohnerin meinte, das Radon sei schon immer da gewesen. Krebserkrankungen gäbe es im ganzen Landkreis. Eine andere, deren Mann an Krebs gestorben ist, gab an, ihr Haus sei nicht über den Grenzwert hinaus mit Radon belastet. Sie würde trotzdem immer gut lüften. Und wolle weiter im Dorf leben.




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