Airlines in den roten Zahlen


© IBERIA

Teurer Treibstoff und weniger First-Class-Passagiere verursachen Verluste

Wer geschäftlich verreisen muss, verzichtet immer öfter auf eine Flugreise oder nimmt lieber im hinteren Teil des Flugzeugs Platz, und auch die Zahl der Urlaubsreisenden ist spürbar zurückgegangen.

Madrid – Da fehlte nur noch die Hiobsbotschaft zum Thema Virusgrippe A um das desaströse Geschäfts­ergebnis für viele internationale Fluggesellschaften, darunter auch die spanische Iberia, komplett zu machen. Dabei hatte die einzige positive Nachricht der vergangenen Monate, die radikale Senkung des Ölpreises, den paradoxen Effekt, die großen Gesellschaften noch weiter in die roten Zahlen zu treiben.

Eine Analyse des ersten Quartals 2009, bei der die zwanzig bedeutendsten Fluggesellschaften durch den Internationalen Verband der Lufttransportunternehmen IATA beleuchtet wurden, besagt, dass sich die Verluste mit 740 Millionen Euro gegenüber dem gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres (307 Millionen Verluste) mehr als verdoppelt haben.

IBERIA präsentierte ihre Konten Mitte Mai – die schlechtesten Zahlen der vergangenen 15 Jahre mit einem Netto-Verlust von 92 Millionen Euro im ersten Quartal. Dabei hätte das Ergebnis positiv ausfallen können, wenn der Treibstoff zum aktuellen Marktpreis gekauft worden wäre, der zwischen 50 und 60 Dollar lag. Doch hatte die spanische Fluggesellschaft, wie viele andere internationale Gesellschaften, ihren Bedarf Mitte 2008 vertraglich festgelegt als das Barrel Brent mehr als 140 Dollar kostete. IBERIA kalkuliert, dass ihr dadurch Mehrkosten von rund 117,8 Millionen Dollar entstanden sind.

Die Festlegung des Treibstoffpreises durch so genannte Zukunftsverträge ist seit Jahren eine gewohnte Praxis im Luftverkehrssektor. So können die Tarife in einem bestimmten Rahmen gehalten und unerwartete Kostensteigerungen kontrolliert werden.

Der Treibstoff macht etwa 25% der Betriebskosten beim Flugverkehr aus. Als Mitte des vergangenen Jahres befürchtet wurde, der Preis für Kerosin könnte auf 200 Dollar steigen, sicherten sich die großen Fluggesellschaften vertraglich ihren Bedarf zu einem Preis, der ihnen lukrativ erschien. Doch als der Ölpreis zum Jahresende bis auf 40 Dollar fiel, erwies sich diese Vorsorge als Trugschluss.

Während die Buchungen in der Touristenklasse im ersten Quartal 2009 um 9,6% zurückgingen, waren es in der First- und Business-Klasse sage und schreibe 22%.




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