Abstieg des blutigen Volkssports


© EFE

Immer mehr Spanier bezeichnen sich als Stierkampfgegner

„Langsam stirbt der Tod am Nachmittag“ – so treffend beschreibt Leo Wieland in der FAZ den Anfang vom Ende des zweifelhaften „Volkssports“ Stierkampf in Spanien. Das blutige Schauspiel verliert immer mehr Anhänger, was durch Meinungsumfragen belegt wird, und insbesondere die jüngeren Generationen lehnen die Tierquälerei in den Arenen ab und wollen sich nicht mehr mit diesem längst zweifelhaften „Nationalstolz“ identifizieren.

Madrid – Die Veranstalter klagen über leere Plätze und finanzielle Verluste bei den Corridas, die allerdings weiterhin zahlreich stattfinden.

 Anfang dieses Jahres sorgte der Vorschlag von Umweltministerin Cristina Narbona (PSOE), die Stiere künftig bei den Corridas nicht mehr zu töten, für großen Wirbel. Besonders starke Kritik erntete Narbona von der Opposition. Die Konservativen der PP ließen durch Parteichef Mariano Rajoy mitteilen, dass dieser Vorschlag wohl „völliger Blödsinn“ sei. Dass die Pläne der Umweltministerin kurz- bis mittelfristig wohl kaum durchzusetzen sein werden, verdeutlichte auch die Stellungnahme von Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba (PSOE), der einräumte, dass der Vorschlag von Frau Narbona nicht auf der Agenda der Regierung stehe.

Die katalanische Metropole Barcelona hat sich durch eine Abstimmung im Stadtrat bereits seit 2004 zur „Anti-Stierkampf-Stadt“ erklärt, und angekündigt, dass ab 2008 überhaupt keine Stierkämpfe mehr veranstaltet werden.

Zwar hat diese Entscheidung auch einen wirtschaftlichen Hintergrund, doch steht das Argument Tierschutz und Nein zur Tierquälerei auch ganz oben auf der Liste.

Auch der Gegenwind der vielen Stierkampfgegner Europas und die Unmöglichkeit, den traditionellen spanischen Volkssport mit den in anderen EU-Staaten gültigen Tierschutzgesetzen zu vereinbaren, mögen dazu beitragen, dass der Kampf gegen die Corridas irgendwann gewonnen wird.

Deutscher Tierschutzbund e.V. ruft Urlauber zum Boykott auf

Stierkämpfe sind Quälerei für Mensch und Tier

In Spanien werden in Arenen und beim Training jedes Jahr mehr als 30.000 Stiere qualvoll getötet. Der Deutsche Tierschutzbund fordert, diesen Blutsport endlich zu stoppen und appelliert an alle Urlauber, diese oder ähnliche Veranstaltungen in Spanien und in anderen Ländern nicht durch ihren Besuch zu unterstützen. 

Auch in diesem Jahr finden in zahlreichen Stadien und Gassen traditionelle Stierrennen und Stierkämpfe statt. Diese Tierqualspektakel haben in den vergangenen Jahren viele menschliche und tierische Opfer gefordert. Seit Jahren kämpft der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit anderen europäischen Tierschutzorganisationen für ein generelles Stierkampf-Verbot in der EU. Diese Forderung wurde kürzlich auch durch eine Unterschriftenaktion von 200 EU-Abgeordneten unterstützt.

Bereits vor den eigentlichen Kämpfen werden den Tieren bei den jährlich rund 2.000 Stierkampfveranstaltungen in Spanien Verletzungen und Verstümmelungen zugefügt. So werden mit Widerhaken versehene Nadeln in die Haut der Tiere gestoßen, um sie zu reizen.

Oft werden die Hörner bis auf die empfindlichen Nerven abgeschliffen, damit das Tier diese nicht mehr zur Gegenwehr einsetzen kann. Der tagelange Futter- und Wasserentzug schwächt die Tiere zusätzlich vor den Kämpfen.

Mit grausamer Tierquälerei ist auch die Ausbildung der Stierkämpfer verbunden. Jahrelang üben die jungen Toreros den hinter dem Schulterblatt angesetzten Stich ins Herz an Kälbern und Jungstieren.

„Wer Stiertreiben oder irgendwelche anderen Stierkämpfe als fröhliches und traditionelles Ereignis feiert, verschließt die Augen vor Tierleid und dem äußerst grausamen Umgang mit den Tieren“ so Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Noch immer werden tierquälerische Traditionen von spanischer Seite mit dem Hinweis auf „Volksbrauchtum“ verteidigt. Spanien habe deshalb, so Apel weiter, das Siegel „tierfeindliches Land in der EU“ verdient, da diese Traditionen und Volksbelustigungen der Ethik einer Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts widersprechen. Europas größte Tier- und Naturschutz-Organisation lehnt generell alle Brauchtümer ab, bei denen sich Menschen am Tierleid ergötzen.

Weitere Informationen zum Thema und Details zur Protestaktion beim spanischen Botschafter können auf der Internetseite www.tierschutzbund.de abgerufen werden.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.