Abschied von einer „unermüdlichen Kriegerin“


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Gelähmte Spanierin erhielt nach jahrelangem Kampf das Recht zu sterben

Nach jahrelangem Kampf erfüllte sich am 14. März Inmaculada Echevarrías größter Wunsch: durch einen würdevollen, eigenbestimmten Tod von ihrem Leiden befreit zu werden.

Granada – Echevarría, die an progressiver myopathischer Muskelatrophie litt, konnte seit zehn Jahren nur noch dank eines Beatmungsgeräts überleben. In der Nacht vom 14. auf den 15. März stellten die Ärzte eines öffentlichen Krankenhauses im südspanischen Granada das Beatmungsgerät, das die 51-Jährige „künstlich am Leben hielt“, ab, woraufhin sie verstarb. Um ihr unnötiges Leiden zu ersparen, war ihr vorher ein Betäubungsmittel verabreicht worden.

Ihr Fall hatte in Spanien seit Wochen für Aufsehen und Schlagzeilen gesorgt.

Inmaculadas gesamtes Leben war vom Pech verfolgt. Bereits mit elf Jahren bemerkte sie die ersten Anzeichen ihrer Krankheit, einem unheilbaren Muskelschwund, der sie seit fast zwei Jahrzehnten wegen Lähmung ans Bett fesselte. In ihren letzten Lebensjahren konnte sie nur noch die Fingerspitzen und Gesichtsmuskeln bewegen und seit zehn Jahren war sie auf künstliche Beatmung angewiesen. Ihre Stimme war kaum noch vernehmbar.

Doch auch in anderen Lebensbereichen war sie vom Pech verfolgt. Noch in jungen Jahren verlor sie zuerst ihren Vater, wenig später ihre Mutter. Wenige Monate nach der Geburt ihres Sohnes vor 27 Jahren, starb ihr damaliger Lebenspartner und Vater des Kindes bei einem Verkehrsunfall. Damals war ihre Beweglichkeit bereits so eingeschränkt, dass sie sich gezwungen sah, ihr Kind zur Adoption freizugeben. Spätestens ab dem Zeitpunkt habe sie nicht mehr leben wollen, erzählte Inmaculada den Medien, nachdem sie ihren Fall der Öffentlichkeit bekannt gemacht hatte.

Dank einer Freundin gelang es ihr vor wenigen Monaten schließlich, schriftlich um Hilfe bei einer Vereinigung zu ersuchen, die sich für einen würdevollen Tod einsetzt. Doch erst nach monatelangen Verhandlungen und Debatten erteilte die Regionalregierung von Andalusien am 27. Februar schließlich die Genehmigung, das Atmungsgerät abzustellen.

„Bald bin ich frei“

„Jetzt weiß ich wenigstens, dass ich bald frei sein werde“, erklärte Inmaculada, nachdem ihr die Nachricht überbracht worden war. Sie erbat sich einige Tage, um von ihren wenigen Freunden und ihrem Sohn, der sich vor etwa zwei Jahren bei ihr gemeldet hatte, zu verabschieden. Ihnen allen gab sie den Auftrag, die Öffentlichkeit wissen zu lassen, dass sie nicht „aufgegeben“ hatte, sondern eine unermüdliche „Kriegerin“ war, die für das Recht gekämpft hatte, „frei zu sein“.




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