99 Frauen wegen illegaler Abtreibung beschuldigt


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Aufgrund beschlagnahmter Krankenakten

Der Skandal um mögliche illegale Abtreibungen in Privatkliniken in Barcelona zieht weiter Kreise. Wie jetzt bekannt wurde, hat die Guardia Civil die Patientenakten von 139 Frauen überprüft, die in den Kliniken des Hauptverdächtigen, des Arztes Carlos Morín, Schwangerschaftsabbrüche durchführen ließen.

Barcelona – 99 dieser Frauen wurden jetzt der illegalen Abtreibung beschuldigt. Da insgesamt in den Kliniken 2.780 Krankengeschichten beschlag­nahmt wurden, ist mit weiteren Beschuldigungen zu rechnen.

Das spanische Strafgesetz sieht Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und einem Jahr für Frauen vor, die außerhalb des gesetzlichen Rahmens abgetrieben haben.

Als ein ausländischer Fernsehsender vor über einem halben Jahr angebliche Fälle illegaler Abtreibungen in Barcelona aufdeckte, war die Emp­ö­rung in Spanien groß.

Nicht zuletzt konservative Parteien und die katholische Kirche nutzten diesen Skandal jedoch, um generell gegen den Schwangerschaftsabbruch vorzugehen und Frauen, die abtreiben, unter Generalverdacht zu stellen. In konservativ regierten Regionen wie Madrid wurden auf einmal verstärkt Inspektionen in Privatkliniken durchgeführt und teilweise Anschuldigungen erhoben, die nicht haltbar waren. Zahlreiche Kliniken entschlossen sich, wegen des steigenden Drucks über ein Woche zu streiken. Vielen Frauen blieb in der Zeit nichts anderes übrig, als nach Frankreich zu fahren, um innerhalb der vorgeschriebenen gesetzlichen Frist abtreiben zu können.




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