50% der Spanier sind für vorgezogene Wahlen


Den Konservativen scheint der Sieg der nächsten Parlamentswahlen sicher

Nach einer von der spanischen Tageszeitung El País Ende Juni durchgeführten Untersuchung sind 50 % der Spanier – 28% davon PSOE-Wähler – für die Abhaltung vorgezogener Wahlen, während 48 % der Meinung sind, dass das schlecht für die wirtschaftliche Erholung des Landes wäre.

Madrid – Sollte die sozialistische Regierung tatsächlich vorgezogene Wahlen einberufen, könnten diese frühestens im November stattfinden und dürften nicht vor Ende August angekündigt werden.

Ein Großteil der Bürger ist der Ansicht, dass vorgezogene Wahlen es einer neuen Regierung leichter machen würden, Maßnahme gegen die anhaltende Krise zu ergreifen.

Sämtliche in den letzten Monaten durchgeführte Umfragen prophezeien der oppositionellen Volkspartei (PP) einen haushohen Sieg gegen die regierenden Sozialisten (PSOE). Ende Juni lag die PP unter Mariano Rajoy mit 14,3 Punkten vor den Sozialisten, die bei den nächsten Wahlen mit dem bisherigen Vizeregierungschef und Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba an den Start gehen wollen. Nach derzeitigem Stand sehen 88% der Bürger Rajoy als nächsten Regierungschef, während nur 8% der traditionellen PSOE-Wähler ihrem eigenen Spitzenkandidaten einen Sieg zutrauen. Dennoch sind 65% dieser Wähler zufrieden damit, dass Rubalcaba für die Sozialisten antritt.

Korruption und Vertrauen

Erstaunlich ist im Zusammenhang mit der Tatsache, dass der konservativen PP schon jetzt der Sieg der nächsten Parlamentswahlen sicher zu sein scheint, dass, wie die jüngste Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CIS ergeben hat, von den Befragten die PP als die am meisten in Korruptionsskandale verwickelte Partei angesehen wird, gefolgt von der kanarischen Coalición Canaria und den Sozialisten.

Als Grund für den augenscheinlichen Widerspruch, dass einer Partei, die am meisten in Korruption verwickelt zu sein, scheint, dennoch der nächste Wahlsieg zugetraut wird, gilt die Tatsache, dass im Moment in Spanien die Sorge wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise überwiegt. Und diese wird nun einmal mit den regierenden Sozialisten in Verbindung gebracht, während der oppositionellen PP verstärkt zugetraut wird, das Land wieder aus der Krise führen zu können. Gleichzeitig wird Korruption allem Anschein nach von den Bürgern immer mehr als eine Art „dazugehörendes Übel“ angesehen, das wohl in Kauf genommen werden muss. Es wird als eine Art dunkle Seite der menschlichen Natur hingenommen, die es wohl immer geben wird. Außerdem sind 85,9% der Befragten der Meinung, dass Korruption existiert, weil die Regierung nicht genügend dagegen unternimmt. Die Politiker, die korrupte Handlungen vornehmen, werden demnach eher von Schuld freigesprochen. Andererseits schätzen zwar 79,4% Ehrlichkeit bei Politikern, 24,8% ziehen jedoch gleichzeitig einen effizienten Politiker vor, selbst wenn er in Korruption verwickelt sein sollte.




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