25 Jahre nach dem „Hipercor-Attentat“


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Gedenken an die Opfer und Reue eines Täters

Am 19. Juni jährte sich das „Hipercor-Attentat“ der Terrororganisation ETA zum 25. Mal – ein Tag, an dem der Opfer gedacht wurde. Nach einem Vierteljahrhundert trafen ein Betroffener und einer der Attentäter zum Gespräch aufeinander.

Barcelona – Das schlimmste ETA-Attentat der Geschichte fand am 19. Juni 1987 im Einkaufszentrum Hipercor in Barcelona statt. Die dem „Kommando Barcelona“ angehörenden ETA-Terroristen Josefa Ernaga, Domingo Troitiño und Rafael Caride Simón platzierten eine Bombe, bestehend aus 30 kg des Sprengstoffs Ammonal und bestückt mit einer Zeitschaltuhr sowie 100 Liter Benzin im Kofferraum eines Ford Fiesta, den sie im Parkhaus des Hipercor abstellten. Anschließend rief Troitiño aus einer Telefonzelle bei der Lokalpolizei, der Leitung des Hipercor und der katalonischen Zeitung Avoi an und warnte vor der bevorstehenden Bombenexplosion. Zwar setzte man eine Suche nach dem Sprengkörper in Gang, doch weder die Lokalpolizei noch die Hipercor-Leitung hielten eine Räumung des Einkaufszentrums für erforderlich. Um 16.10 Uhr – rund eine halbe Stunde nach den Anrufen – löste die Zeitschaltuhr die Explosion in dem an einem Freitagnachmittag üblicherweise belebten Einkaufszentrum aus. Die Wucht zerstörte das Parkdeck und riss ein fünf Meter breites Loch in den Boden der darüberliegenden Einkaufsetage. Ein gewaltiger Feuerball raste empor und verbrannte die Menschen. Giftige Gase erstickten weitere Personen. Insgesamt kamen 21 Menschen ums Leben, 45 wurden zum Teil schwer verletzt. Nur das schnelle Eingreifen von Feuerwehr und Polizei verhinderte, dass sich das Feuer in die höheren Stockwerke ausbreitete.

Die drei Attentäter und Santiago Arrospide Sarasola, genannt Santi Potros, damaliger Kopf von ETA, wurden zu Gefängnisstrafen von bis zu 794 Jahren verurteilt. Zum ersten Mal wurde auch der Staat wegen der vermeintlichen Untätigkeit der Polizei in die Haftung genommen.

Ein Vierteljahrhundert nach dem Attentat wurde im katalonischen Parlament der Opfer gedacht. Parlamentspräsidentin Núria de Gispert betonte, Katalonien und seine Bevölkerung lehnten die Gewalt ab, hier gäbe es keinen Platz für diejenigen, die Demokratie und Frieden ablehnten.

Kurz vor dem traurigen Jahrestag traf Roberto Manrique, der bei dem Attentat Verbrennungen und eine Leberverletzung erlitt, auf Rafael Caride Simón. Im Rahmen eines vom Innenministerium geförderten Planes zur Resozialisierung der ETA-Terroristen besuchte Manrique den Hipercor-Attentäter im Gefängnis von Zaballa (Álava). (Simón war vor einiger Zeit zusammen mit weiteren reuigen und von der Terrororganisation Abstand nehmenden Terroristen nach Zaballa verlegt worden.) Nach dem fast zweistündigen Gespräch berichtete Manrique den wartenden Journalisten von dem Zusammentreffen zwischen Opfer und Täter. Manrique berichtete, Caride habe ihn nicht um Verzeihung gebeten, ihm aber seine Schuldgefühle wegen des von ihm verursachten Leids eingestanden. Es habe keine Konfrontation gegeben, doch näher gekommen sei man sich auch nicht. Das Gespräch habe ihm persönlich viel gegeben, erklärte Manrique abschließend.




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