18 Kilo Plastik töteten Pottwal


© G. Barathieu

Der gestrandete Meeressäuger offenbart das erschreckende Ausmaß der Verschmutzung

Laut einer in dem Wissenschaftsmagazin „Marine Pollutin Bulletin“ veröffentlichten Studie ist ein Pottwal, der im vergangenen Jahr an der Küste von Granada tot angeschwemmt wurde, daran gestorben, dass er etliche Quadratmeter Plastikplanen aufgenommen hatte.

Granada – Als man das zehn Meter lange und viereinhalb Tonnen schwere Tier am Strand von Castell de Ferro entdeckte, wurde, wie seit Jahren üblich, ein Biologenteam hinzugezogen, um die Ernährungsgewohnheiten des toten Tieres zu eruieren.

Als einer der Mägen geöffnet wurde, packte die Biologen ungläubiges Erstaunen, als eine wahre Plastik-Müllhalde zutage kam. Die Wissenschaftler zählten 59 Stücke Plastikplane, dazu einige Blumentöpfe, Stricke und eine Sprayflasche. Eines der Planenstücke hatte den Magen verschlossen, und das hatte dazu geführt, dass dieser aufriss und sich der Mageninhalt in die Bachhöhle ergoss, was das Verenden des Tieres zur Folge hatte. Es handelt sich weltweit um den vierten dokumentierten Fall dieser Art. Die Herkunft der Plastikfolie war nicht schwer festzustellen, es handelte sich um die typischen Planen, die für die Treibhäuser verwendet werden, die an der Küste von Murcia bis Málaga viele Hektar Fläche bedeckten. Der Wal wies Anzeichen von Unterernährung auf und es gab keine Reste von Nahrung im Magen-Darm-Trakt. Das Sammelsurium des Mageninhalts umfasste 26 Plastikteile, 30 Quadratmeter durchsichtige Treibhausfolie, Reste von vier schwarzen Pflanzbeuteln, neun Meter Strick, wie er zum Befestigen der Treibhausplanen benutzt wird, sowie zwei Schläuche von viereinhalb Metern Länge.

Die Studie, die vom Wirtschaftsministerium finanziert wurde, zeigt das Ausmaß der Verschmutzung der Meere mit Plastik auf. Es ist seit Langem bekannt, dass der Kunststoff das Leben von Schildkröten, Fischen und Vögeln bedroht, 250 betroffene Tierarten sind bisher bekannt. Dokumentierte Fälle bei Pottwalen gab es bis dato drei, zwei in Kalifornien und einen in Griechenland. Die Pottwale der spanischen Gewässer leben an der südlichen Mittelmeerküste, genau dort, wo auch die meisten Gewächshausbetriebe an der Küste stehen. Die unendlichen, plastiküberdachten Flächen werden im Volksmund auch Plastikmeer (mar de plástico) genannt. Die Treibhauswirtschaft produziert tonnenweise Plastikabfall, für die es zwar spezielle Müllverarbeitungsanlagen gibt, der Wind trägt jedoch von den viele Hektar umfassenden Anlagen regelmäßig Planen ins Meer.

Leider war der Pottwal, der in Granada angeschwemmt wurde, nicht markiert, sodass nicht festgestellt werden konnte, in welchem Gebiet er gelebt hat. Diese Spezies taucht bis zu tausend Meter tief, um Tintenfische zu jagen. Es ist unbekannt, ob sie die Planen mit ihrer Beute verwechseln oder zufällig aufnehmen. In Spanien gilt die Spezies als gefährdet, es gibt weniger als tausend Exemplare davon.




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