135 Millionen Euro für den Kampf gegen die illegale Einwanderung aus Afrika


Auf der Höhe der Flüchtlingskrise, 2006, erreichten 31.678 Immigranten aus Afrika die Kanarischen Inseln. Foto: eFE

Trotz der hohen Ausgaben sind derzeit drei der acht zur Bekämpfung der illegalen Auswanderung eingesetzten Patrouillenboote außer Betrieb

Madrid/Dakar/Nouakchott – Nach einem Bericht der Zeitung El País hat das spanische Innenministerium innerhalb von zehn Jahren 135 Millionen Euro in Maßnahmen investiert, um den Flüchtlingsstrom aus Westafrika zu stoppen. Dabei stützte sich das Blatt auf einen internen Bericht des Ministeriums.

Im schlimmsten Jahr der Flüchtlingskrise – 2006 – kamen 39.000 Afrikaner nach Spanien; die meisten stammten aus dem Senegal und Mauretanien und nahmen die gefährliche Reise in oftmals überfüllten Flüchtlingsbooten auf sich, um schließlich die Kanarischen Inseln zu erreichen (31.678). In den beiden letzten Jahren wurden hingegen keine illegalen Flüchtlinge aus Mauretanien verzeichnet. Zwischen 2009 und 2016 kamen auch keine Senegalesen über den Seeweg nach Spanien; im vergangenen Jahr waren es wieder 232, die die gefährliche Überfahrt wagten und überstanden.

Um die Flüchtlingsroute von Westafrika zu den Kanarischen Inseln zu stoppen, auf der viele Flüchtlinge ums Leben kamen, investierte Spanien in den letzten zehn Jahren 135 Millionen Euro in verschiedene Maßnahmen, um die Flüchtlinge noch vor Ort von der gefährlichen Überfahrt abzuhalten. Es wurden Einheiten der Nationalpolizei und der Guardia Civil in Mauretanien und dem Senegal stationiert, um dort eng mit den einheimischen Behörden gegen die Auswanderung vorzugehen, und Patrouillenboote und Hubschrauber in die beiden Länder geschickt.

Dieser Tage besuchte Innenminister Juan Ignacio Zoido Mauretanien und den Senegal, um die guten Beziehungen zu pflegen und die Abkommen über die Zusammenarbeit im Kampf gegen die Auswanderung, darunter auch die Auslieferungsvereinbarungen, zu erneuern. Denn insbesondere zu den schlimmsten Zeiten der Flüchtlingskrise charterte die spanische Regierung Flugzeuge, um die Flüchtlinge in ihre Heimat abzuschieben, wovon eine abschreckende Wirkung ausgehen sollte.

Von den im letzten Jahrzehnt zur Bekämpfung der illegalen Auswanderung vor Ort ausgegebenen 135 Millionen Euro wurden 103 Millionen Euro an Mauretanien und 33 Millionen Euro an den Senegal gezahlt. Die weitaus höhere Investition in Mauretanien beruht darauf, dass der größere der beiden Staaten auf der Route der Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Ländern liegt, die ebenfalls davon abgehalten werden sollen, nach Spanien zu gelangen. Jedes Jahr sind im spanischen Haushalt zehn Millionen Euro für Mauretanien und drei Millionen Euro für den Senegal vorgesehen.

In beiden Ländern stehen je vier Patrouillenboote zur Verfügung, zwei davon gehören der Guardia Civil und je zwei machte Spanien als Geschenk. In Mauretanien halten sich ständig 29 Beamte der Guardia Civil – im 9-Monats-Turnus – auf, um gemeinsam mit den lokalen Beamten Patrouillenfahrten durch­-

zuführen. Im Senegal sind es acht spanische Beamte. Auch hat Spanien in Mauretanien einen Hubschrauber stationiert.

Überraschenderweise wurde dieser Tage bekannt, dass derzeit drei der acht Patrouillenboote nicht einsatzbereit sind. Die offizielle Erklärung des Ministeriums lautete, ein Schiff warte auf seine technische Untersuchung, die anderen beiden müssten Reparaturarbeiten unterzogen werden. Weil für die Ausbesserung der spanischen Patrouillenschiffe jedoch eigens die Experten und Techniker aus Spanien eingeflogen werden müssten, verzögere sich die Reparatur. Trotzdem würden die Patrouillenfahrten planmäßig durchgeführt, wurde aus dem Ministerium versichert, schließlich seien die anderen Schiffe sehr wohl einsatzbereit.

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Gerhard Karpiniec
Gerhard Karpiniec
Gast
13. März 2018 10:28

Wie wäre es wenn, wenn wir diese Millionen nicht in Boote sondern in westafrikanische Farmen investieren würden. Dann könnten wir es den Menschen ersparen entwürdigende Arbeit in spanischen Farmen leisten zu müssen. Sie müssten dann auch nicht Knoblauch aus China oder Zwiebel aus den Niederlanden Importieren. Fluchtbewegungen würden gar nicht entstehen. Die Frage ist nur wollen wir das, und was hat die Entwicklungshilfe seit über 50 Jahren auf diesem Gebiet vorzeigbares geleistet.
Gerhard Karpiniec
Münchendorf/Laxenburg
Österreich